#22 – Cyclebreaker: Wenn Du die erste Person bist, die familiäre Muster durchbricht
Shownotes
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Vielleicht bist Du in Deiner Familie die erste Person – seit Generationen die erste Person –, die den Blick bewusst nach innen richtet. Die Erste, die einen echten Heilungsweg geht und sich ernsthaft mit ihren eigenen – und damit verbunden natürlich auch mit den familiären Dynamiken – auseinandersetzt.
Vielleicht tust Du dies, weil Dich Deine psychischen und/oder psychosomatischen Symptome dazu auffordern oder vielleicht sogar „zwingen“. Oder vielleicht sind es auch andere psychologische oder spirituelle Gründe, warum Du Dich – anders als die anderen Menschen in Deiner Familie – Dir selbst zuwendest.
In den sozialen Medien findet sich seit einiger Zeit immer öfter ein Begriff, nämlich „Cyclebreaker“, der für jemandem steht, der oft über Generationen hinweg weitergegebene destruktive Dynamiken durchbricht.⛓️💥
Was genau hinter diesem Begriff steckt und warum es sich sehr lohnt, manche Facetten davon genauer zu beleuchten, darum geht es in dieser Folge.
Ich wünsche Dir bereichernde Erkenntnisse beim Hören.🎧
Über Rückmeldungen in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen.💫
Deine Maria Sanchez 🌷
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Cyclebreaker: Wenn Du die erste Person bist, die familiäre Muster durchbricht
Ein Cyclebreaker zu sein, ist keine leichte Sache. Und es braucht ab einem bestimmten Punkt – wenn es wirklich ein Cyclebreaking ist – auch den Respekt vor komplexen Dynamiken, die hierbei greifen.
Ein Cyclebreaker beleuchtet also intensiv eigene biografische Verletzungen – oft auch mithilfe einer Therapie – und setzt sich genau damit häufig auch ins Feuer, nämlich ins familiäre Feuer.
Denn wer es wagt, unheilsame familiäre Dynamiken aufzudecken und zu hinterfragen, also die Wahrheit auszusprechen, der rüttelt am Fundament der Familie – und wird dafür nicht selten leider als Störenfried, als Nestbeschmutzer, als schwarzes Schaf oder einfach ganz grundsätzlich offensichtlich oder versteckt als Außenseiter:in behandelt.
Mit anderen Worten: Sich der Wahrhaftigkeit zu widmen, kann einen auf dem inneren Weg zu Beginn des Weges oft auch einsam fühlen lassen.
Diese Einsamkeit innerlich ebenfalls zu begleiten, ist enorm wichtig, denn sie ist – auch wenn es lange Zeit vielleicht überhaupt nicht den Anschein haben mag – nur ein notwendiges Durchgangszimmer, um danach in eine tiefere innere Verbundenheit zu kommen, die so viel größer ist als die familiäre Bindung.
Ich begrüße Dich ganz herzlich und heiße Dich willkommen zu meinem Podcast „Psychologie trifft Spiritualität“. Ein Podcast für eine neue Begegnung mit Dir selbst. Mein Name ist Maria Sanchez. Schön, dass Du wieder dabei bist, um mit mir gemeinsam in ein weiteres wichtiges Thema für Deinen Heilungsweg einzutauchen.
Vielleicht bist Du in Deiner Familie die erste Person – seit Generationen die erste Person –, die den Blick bewusst nach innen richtet.
Die Erste, die einen echten Heilungsweg geht und sich ernsthaft mit ihren eigenen – und damit verbunden natürlich auch mit den familiären Dynamiken – auseinandersetzt.
Vielleicht tust Du dies, weil Dich Deine psychischen und/oder psychosomatischen Symptome dazu auffordern oder vielleicht sogar „zwingen“. Oder vielleicht sind es auch andere psychologische oder spirituelle Gründe, warum Du Dich – anders als die anderen Menschen in Deiner Familie – Dir selbst zuwendest.
In den sozialen Medien findet sich seit einiger Zeit immer öfter ein Begriff, nämlich „Cyclebreaker“, der für jemandem steht, der oft über Generationen hinweg weitergegebene destruktive Dynamiken durchbricht.
Was genau hinter diesem Begriff steckt und warum es sich sehr lohnt, manche Facetten davon genauer zu beleuchten, darum geht es in dieser Folge.
Ich wünsche Dir bereichernde Erkenntnisse beim Lauschen.
In meiner traumatherapeutischen und spirituellen Arbeit mit Menschen verwende ich bisher nicht den Begriff „Cyclebreaker“, sondern nutze stattdessen seit vielen Jahren einen Satz, der im Kern für das Gleiche steht. Nämlich der wohlgemeinte Satz: „Es beginnt bei Dir.“ Ganz gleich, was für familiäre Dynamiken existieren, wie verstrickt oder verwoben diese sind, und ganz gleich, seit wann sie existieren: Es beginnt bei Dir selbst. Heilung beginnt immer bei Dir.
Wie eben schon kurz erwähnt, ist ein „Cyclebreaker“ (was übrigens im Deutschen wörtlich übersetzt „Kreislaufdurchbrecher:in“ heißt) jemand, der familiäre Teufelskreise durchbricht. Es ist also eine Person, die verletzende Muster oder auch Traumata, die seit Generationen weitergegeben werden, erkennt, reflektiert und – das würde ich immer hinzufügen wollen – sich ihnen auf eine Weise widmet, dass die Kette der Weitergabe in sich selbst und damit an diesem Punkt auch für die nach uns kommenden durchbrochen wird bzw. – und das halte ich ebenfalls für sehr wichtig, das im Blick zu haben – punktuell durchbrochen wird, denn das Ganze ist ja ein fortlaufender Prozess, der auch nach Dir weitergehen wird. Dazu gleich noch mehr.
Im ersten Moment klingt es vermutlich ziemlich klar, dass ein Cyclebreaker ungesunde und verletzende Muster durchbricht. Aber so klar ist es bei genauerer Betrachtung nicht, denn – wie ich immer wieder betonen möchte – wir Menschen sind keine Wesen, die auf tieferen Ebenen in schwarz/weiß denken und fühlen.
Ein Cyclebreaker zu sein, ist keine leichte Sache. Und es braucht ab einem bestimmten Punkt – wenn es wirklich ein Cyclebreaking ist – auch den Respekt vor komplexen Dynamiken, die hierbei greifen.
Ein Cyclebreaker beleuchtet also intensiv eigene biografische Verletzungen – oft auch mithilfe einer Therapie – und setzt sich genau damit häufig auch ins Feuer, nämlich ins familiäre Feuer.
Denn wer es wagt, unheilsame familiäre Dynamiken aufzudecken und zu hinterfragen, also die Wahrheit auszusprechen, der rüttelt am Fundament der Familie – und wird dafür nicht selten leider als Störenfried, als Nestbeschmutzer, als schwarzes Schaf oder einfach ganz grundsätzlich offensichtlich oder versteckt als Außenseiter:in behandelt.
Mit anderen Worten: Sich der Wahrhaftigkeit zu widmen, kann einen auf dem inneren Weg zu Beginn des Weges oft auch einsam fühlen lassen.
Diese Einsamkeit innerlich ebenfalls zu begleiten, ist enorm wichtig, denn sie ist – auch wenn es lange Zeit vielleicht überhaupt nicht den Anschein haben mag – nur ein notwendiges Durchgangszimmer, um danach in eine tiefere innere Verbundenheit zu kommen, die so viel größer ist als die familiäre Bindung.
Wenn dieses Einsamkeitsempfinden nicht begleitet wird, dann laufen wir Gefahr, darin hängenzubleiben. Das kann nicht nur sehr, sehr schmerzhaft sein, weil wir uns dann wie entwurzelt, wie heimatlos fühlen, sondern das Nichtbegleiten dieser Einsamkeit birgt auch die Gefahr, dass wir in einer Anklage an das Schicksal hängenbleiben – dass wir bitter werden und mit unserem Leben hadern.
Sich für die eigene innere Wahrheit erst einmal ganz in die eigenen Schuhe zu stellen – auch für den Preis, dass wir uns vorübergehend entwurzelt fühlen, auch für den Preis, dass wir alleine stehen – ist so wichtig, damit wir tatsächlich unsere Wurzeln aus einem verstrickten oder sogar toxischen Familienfeld behutsam herausnehmen können und sie in eine Erde pflanzen können, die unser Sein und unsere Entwicklung fördert.
Von hier aus können wir dem familiären Feld dann ganz anders und neu begegnen. Oder aber wir entscheiden, dass wir dem gar nicht mehr begegnen wollen. Auch das ist okay. Wie immer es für Dich dann stimmig ist, es wird auf einem Boden stattfinden, der Wahrheit atmet.
Die Phase jedoch, in der Du Deine Wurzeln aus dem leidvollen, aber dennoch auch vertrauten familiären Boden nimmst und noch kein neuer Boden in Sicht oder in Fühlung ist, kann sehr beängstigend sein. Und es kann in dieser herausfordernden Phase sehr unterstützend und wichtig sein, sich auch mit anderen Menschen, die ebenfalls Cyclebreaker sind, auszutauschen.
Meine Erfahrung ist, dass, wenn wir mutig unseren Weg gehen, dass wir dann früher oder später auch auf andere Cyclebreaker treffen. Manchmal ganz unverhofft.
Wenn ich von familiären Mustern spreche, dann meine ich damit übrigens nicht nur die ganz offensichtlichen, „lauten“ Verletzungen, die vielleicht stattgefunden haben oder auch immer noch stattfinden – wie körperliche und oder emotionale Gewalt –, sondern es geht auch um die viel subtileren, leisen Dynamiken, die man von außen schnell übersieht – wie emotionale Vernachlässigungen, eine Herzenskälte, eine Härte, die in der Familie als grundsätzliche Atmosphäre herrscht oder von einer Bezugsperson ausgestrahlt wird, oder auch das bewusste oder auch unbewusste Weitergeben von Ängsten usw. Die Bandbreite kann ja sehr groß sein.
Bevor wir das Thema nun weiter zu vertiefen beginnen, möchte ich den Blick zunächst darauf zu richten, dass wir in einer sehr besonderen Zeit leben.
Zum ersten Mal in der Geschichte sind die äußeren Bedingungen für die meisten Menschen – für alle gilt dies leider nicht, aber für die meisten Menschen – so günstig wie noch nie, um sich eigenen inneren Verletzungen anzunähern.
Die meisten von uns haben fast unbegrenzten Zugang zu Wissen, zu Fachbüchern, zu Kursen, zu bestimmten Online-Kongressen, zu Videos, zu Podcasts usw. Und wir leben glücklicherweise hier nicht im Krieg. Das heißt, unser Leben ist in der Regel nicht aktuell real bedroht. Und auch wenn die angebotenen Therapieplätze leider bei Weitem nicht ausreichen, so gibt es doch so viele Räume der Selbsterforschung wie nie zuvor.
Im selben Atemzug möchte ich aber sagen: das bedeutet nicht – und ich möchte das wirklich ganz stark betonen – ,das bedeutet nicht, dass diese Tatsache die vorherige Generation aus ihrer Verantwortung entlässt.
Es ist sehr wichtig, dass wir – wenn es um das Thema „Verantwortung“ geht – ganz genau schauen, was gehört wohin, und nichts verwässern. Ich spreche hier nicht primär von Schuld, sondern von Verantwortung.
Verantwortung ist aber für die meisten Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen weiß Gott keine leichte Sache. Denn eine wirkliche Verantwortung setzt ja ein Stehenbleiben, eine Selbstreflexion voraus – letztlich auch ein wirkliches In-Beziehung-Treten – und das ist für die meisten Menschen zunächst eine sehr schwierige Angelegenheit. Aber nichtsdestotrotz: Jeder gesunde Mensch trägt Verantwortung für das, was er bewusst tut oder auch nicht tut, und auch für das, was er unbewusst tut oder auch nicht tut.
Auch unsere Eltern hatten die Möglichkeit – sofern sie äußerlich nicht in Lebensgefahr waren – sich zu reflektieren, sich zu informieren und gegebenenfalls sich auch Hilfe zu holen.
Mir ist gewahr, dass es natürlich wichtig ist, bei diesen Worten die Komplexität des Ganzen nicht zu stark zu vereinfachen.
Wir Menschen und damit natürlich auch Situationen, in denen wir sind, sind in der Regel vielschichtig. Aber dennoch: Irgendjemand muss die Dynamiken irgendwann zu sich nehmen, damit ein Kreislauf in sich selbst und damit auch im familiären Feld wirklich durchbrochen werden kann. Und dazu gehört auf einer Ebene auch: Menschen in die Verantwortung zu nehmen – selbst dann, wenn sie es für sich selbst ablehnen.
Und dazu gehört auch, sich mit dem Thema „Verantwortung“ und dem wichtigen Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung – auch bei sich selbst – auseinanderzusetzen.
Dies zu tun, ist ebenfalls eine große Sache.
Vielleicht geht es Dir beim Thema „Verantwortung“ wie vielen anderen Menschen auch: Kaum fällt dieses Wort, öffnet sich ein Eingangstor für den inneren Kritiker. Und plötzlich meldet sich eine Stimme, die sagt: „Du machst es doch auch nicht besser als Deine Eltern. Schau Dir doch nur mal Deine eigenen Kinder an – was hast Du hier schon weitergegeben!“
Genau das meine ich mit meinen Worten über Verantwortung nicht. Es gehört aber zur verstrickten Dynamik dieses Themas dazu, dass der innere Kritiker sich solche Aussagen sofort greift. Dazu gleich noch mehr.
Kommen wir zunächst noch einmal kurz zurück auf die äußeren Bedingungen.
Denn auch wenn diese heute faktisch so günstig sind wie nie zuvor, bedeutet das noch lange nicht, dass es im Inneren dadurch leichter wird. Das tut es nicht – das wäre viel zu kurz gedacht.
Egal, wie günstig die Möglichkeiten im Außen sein mögen: Zu Beginn eines wahrhaftigen, tiefen Weges bleibt es für jeden Menschen eine der größten Herausforderungen, sich authentisch nach innen zu wenden. Die Dynamik, es nicht zu tun – obwohl vielleicht ausreichend Zeit da ist und die äußeren Bedingungen günstig sind –, ist enorm groß.
Es geht dabei ja nicht um Kontrolle oder Disziplin. Kontrolle scheint zwar leichter zu sein und wird psychologisch und auch spirituell oft auch als Scheinweg genutzt, berührt aber die entscheidenden tieferen emotionalen Schichten überhaupt nicht.
Wir können mithilfe von Kontrolle zwar mental versuchen, etwas zu durchbrechen, aber tiefer sitzende familiäre Leidensstrukturen haben ja im Ursprung nichts mit kognitiven Prozessen zu tun. Sie basieren auf tiefen Verletzungen und den daran gekoppelten reaktiven Fluchtmechanismen, wie Ablenkungs- oder Abdämpfungsmittel und -handlungen – etwa Suchtverhalten, wie das emotionale Essen, Symptome, wie beispielsweise Dissoziation und Depression oder auch ganz Alltägliches, wie beispielsweise endlos auf Social Media zu scrollen usw.
Es erfordert echten Mut, in das innere Unbekannte einzutauchen. Ohne dies bleibt alles nur Oberflächenkosmetik – ein psychologisches Make-up, das in der Tiefe gar nichts durchbricht.
Wirklich innerlich emotional stehenzubleiben ist wegen unseres biografischen Schutzprogramms die tiefste und gleichzeitig schwierigste Aufgabe für uns Menschen.
Sie schenkt uns letztlich die größte Verbundenheit, führt aber zuerst durch das Nadelöhr der tiefsten Unverbundenheit.
Falls Du diesen Weg also oft als kräftezehrend erlebst und als Cyclebreaker manchmal verzweifelt denkst: „Ich kann nicht mehr. Ich schaffe das einfach nicht.“, dann bist Du nicht komisch oder falsch.
Was Du spürst, ist angesichts der Größe dieser Aufgabe eine für längere Zeit wiederkehrende normale Reaktion. Es gehört zum Prozess des Cyclebreakings uneingeschränkt dazu.
Ein wirklicher Cyclebreaker zu sein, ist eine Aufgabe, die das Zweifeln, das Aufatmen, das Ringen, das Ausatmen, die Tränen, die Freude, die Ängste, die Erschöpfung, einfach alles miteinschließt.
Auch der Widerstand, über den ich in der 20. Podcastfolge ausführlicher gesprochen habe, auch er gehört dazu.
Doch so schwierig es zu Beginn viele Kilometer auf dem Weg zunächst erscheint: es gibt einen Punkt, da wird es leichter. Da bemerken wir plötzlich, dass wir innerlich eine neue Luft atmen. Und in unserer Überraschung fragen wir uns vielleicht: War diese Luft schon immer da? Habe ich sie nur nicht bemerkt? Wo kommt sie denn jetzt plötzlich her?
Eine Luft von nährender Klarheit und Liebe. Eine Luft, von der wir davor nicht einmal ahnten, dass sie existiert. Eine Luft, die uns einen Geschmack von Freiheit in Verbundenheit zu schenken beginnt.
Wir spüren dann in immer mehr Situationen, dass wir einen dicht gestrickten schweren Familienmantel ausgezogen haben, bzw. dabei sind, ihn langsam weiter auszuziehen. Und wir gehen unsere Meter einfach weiter. Und nach uns werden andere kommen, die dann ihre Meter gehen und den Familienmantel noch weiter ausziehen.
Es ist ein Prozess und es ist die Königsdisziplin.
Wollen wir wirklich den Auftrag des Cyclebreakers annehmen, dann geht die Reise tief und sie geht durch unterschiedlichste innere Landschaften.
Und da uns auf diesem Weg einige typische Hindernisse begegnen können, möchte ich ein paar dieser Hindernisse genauer beleuchten. Die nachfolgenden Punkte stehen dabei gleichwertig nebeneinander.
Das erste Hindernis ist ein innerer Kritiker. Es gibt nämlich einen Aspekt des inneren Kritikers, der bezogen auf unser Thema hier, stark greifen kann.
Gerade wenn wir Kinder haben, erliegen wir leicht der Illusion, alles anders und besser machen zu müssen. Der Anspruch ist riesig: Alle Verletzungsverkettungen der Vergangenheit sollen mit uns enden. Tun sie das nicht, schlägt dieser innere Kritiker gnadenlos zu und redet uns ein, versagt zu haben oder schuld zu sein.
Ich kenne viele Eltern, die genau diesen unerbittlichen Antreiber im Nacken spüren.
Paradoxerweise bekommt dieser Kritiker oft noch mehr Aufwind, je mehr wir über Bindung und Trauma wissen. Sieht er beim eigenen Kind Verhaltensauffälligkeiten, lautet das Urteil sofort: „Du bist schuld, das hättest Du verhindern müssen.“
Doch dieser Kritiker ist viel älter als wir oder auch als unsere Eltern – er ist selbst Teil der transgenerationalen Weitergabe von Verletzungsmustern.
Er gehört zum gesamten familiären System dazu und hält uns in Schuld und Scham gefangen.
Schuld und Scham sind jedoch innere Zustände, die das verletzte Ich kaum aushalten kann – was letztlich wieder zum Wegschauen, zu Ablenkung oder Abdämpfung führt.
In der Selbstbegleitung können wir lernen, genau diesem Kritiker neu zu begegnen. Meine Erfahrung ist, dass der Kritiker an vielen Stellen der Psychologie leider missverstanden wird. Denn er erweist sich, wenn wir lernen, ihn in die Tiefe zu begleiten, nicht mehr als Feind, sondern als sehr wichtiger Informationsträger.
Das erste Hindernis kann also die Vorstellung sein, dieser mächtige Kritiker würde erst in uns beginnen. In Wahrheit reichen seine Wurzeln Generationen weit zurück.
Wenn eine Bezugsperson uns abwertet, geschieht das meist aus ihrer unbewussten Notwehr gegen ihren eigenen inneren Kritiker. Von dieser unbewussten Notwehr und damit verbunden ihren inneren Kritikern wissen die meisten Menschen nichts. Die Dynamik kehrt sich um, damit das eigene verletzte Opfer-Ich nicht gespürt werden muss, und dafür schlüpft die Bezugsperson in die Rolle der Verletzer:in oder der Täter:in.
Vorsicht! Diese Erklärung entschuldigt nichts! Unsere Bezugspersonen tragen, wie ich vorhin meinte, die Verantwortung für ihr bewusstes und für ihr unbewusstes Verhalten.
Der zweite Fallstrick hat mit unserem inneren Opfer zu tun. Zu diesem großen Thema werde ich noch eine eigene Podcastfolge aufnehmen. Ich möchte es aber hier einmal schon erwähnen, weil es beim Cyclebreaking eine große Rolle spielen kann.
Wenn Menschen dem verletzten inneren Opfer in sich noch keinen Landeplatz in der inneren Selbstbegleitung geben konnten, dann beherrscht sie oft ein spezieller riesiger Widerstand. Vielen Menschen ist das gar nicht bewusst. Sie verstehen nicht, warum sie sich immer wieder selbst „sabotieren“.
Widerstände können natürlich unterschiedliche Ursprünge haben, aber bei diesem speziellen, wehren wir uns mit ganzer Kraft dagegen, uns den eigenen familiären Prägungen überhaupt zu nähern. Wir möchten es gern, wir möchten ein Cyclebreaker sein, aber in den entscheidenden Momenten weichen wir aus.
In unserem Inneren meldet sich dann zum Beispiel eine Stimme, die voller Schmerz und Trotz sagen könnte: „Für meine Familie tue ich gar nichts! Sie waren schließlich auch nicht für mich da. Mein Geburtsrecht darauf, willkommen zu sein, wurde nie eingelöst. Deshalb gehe ich keinen Zentimeter weiter! Ich will, dass jemand kommt und es wieder gut macht. Sie sind mir etwas schuldig! Ich tue gar nichts!“
Dieser harte Widerstand ist kein bloßer Trotz, sondern der verzweifelte Schutzaspekt eines inneren Anteils, der sich zutiefst betrogen fühlt.
Weitere Hindernisse können eine Zielfixiertheit und das verfrühte Abverlangen von Verständnis für die eigenen Bezugspersonen sein.
Es geht nicht darum, ein schnelles Ziel zu erreichen, sondern ausschließlich um den Weg und das damit einhergehende innere Reifen. Auf einem authentischen Heilungsweg gibt es einfach keine Abkürzungen, denn das Entscheidende ist der Weg.
Es geht weder um ein oberflächliches Beruhigen des Systems, noch um einen mentalen oder energetischen Zuckerguss, sondern um den Mut, tief verwurzelte Macht-Ohnmacht-Dynamiken kennenzulernen und sie langsam und behutsam zu begleiten, damit Wahrhaftigkeit – und damit Dein tieferes Sein – in Dir zu atmen beginnt. Das durchbricht den Kreislauf und nicht nur mentale neue Verhaltensweisen.
Primär tust Du es immer für Dich selbst. Denn alles, wie vorhin erwähnt, beginnt bei Dir. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern ist eine absolute Notwendigkeit.
Wenn die Fürsorge für das eigene verletzte innere Kind fehlt und wir uns aus einem vermeintlichen Verständnis für familiäre Strukturen zu schnell in die Schuhe unserer Eltern stellen, verraten wir uns selbst.
Eine Liebe, die Dich selbst nicht einschließt, die nicht in der Tiefe von Dir ausgeht – was sie nur ja kann, wenn sie auch zu Dir eingeht –, ist letztlich nur eine Pseudo-Liebe. Sie bleibt unvollständig, nimmt Dich nicht mit und durchbricht damit letztlich gar nichts.
Ein häufiger Fallstrick ist hierbei eine versteckte, fordernde Stimme im Inneren, die sagt: „Du bist doch der Cyclebreaker, Du musst doch Verständnis haben.“ Dadurch werden vorangegangene Generationen viel zu früh aus ihrer Verantwortung entlassen.
Wenn dir Unrecht widerfahren ist, darf diese Ebene nicht durch ein verfrühtes Beruhigungsverständnis verwässert werden. Denn auch dieses beruhigen kann Teil des Systems und damit Teil des Problems sein.
Damit das innere Opfer seinen Platz finden kann, ist es wichtig, dass das erlittene Unrecht klar als Unrecht erkannt und benannt wird. Die Ebene von „richtig und falsch“ darf durch die Ebene des Verständnisses – was wir ja haben können – nicht unter den Tisch fallen.
Erst wenn wir ohne ein inneres relativierendes „Ja, aber ...“ die Position unseres verletzten inneren Kindes einnehmen können, können sich innere Fenster und Türen in uns endlich öffnen.
Natürlich kann es auch in die entgegengesetzte Richtung gehen: nämlich, dass wir zu lange von einer Anklagewut beherrscht werden. Ist das der Fall, dann lohnt sich der Blick auf den eben beschriebenen speziellen Widerstand. Denn häufig stecken wir dann genau darin fest – was für Betroffene übrigens ebenfalls sehr schmerzhaft sein kann, weil das eigene innere Opfer so niemals wirklich in ihnen landen kann.
Ein wirkliches Durchbrechen familiärer Verletzungsdynamiken ist eine tiefe innere Reise zu Dir selbst. Was danach geschieht – ob sich das Verhältnis zu Deiner Familie verbessert – was oft der Fall ist – oder ob eine für Dich heilsame Abgrenzung für Dich stimmig ist – wird, wie auch immer es ausgeht, im Einklang mit Dir selbst sein.
Wie ist es bei Dir? Bist Du als Cyclebreaker unterwegs? Und wie geht es Dir dabei?
Ich würde mich von Herzen freuen, wenn Du mir in die Kommentare Deine Erfahrung damit schreiben magst.
Ich danke Dir für Deine Aufmerksamkeit und für Dein Mit-mir-Sein und wünsche Dir von Herzen alles Liebe.
Deine Maria Sanchez
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