#18 – Emotional Detoxing: das weitverbreitete Missverständnis
Shownotes
Herzlich willkommen zu meinem Podcast „Psychologie trifft Spiritualität“ – ein Podcast für eine neue Begegnung mit Dir selbst.
In dieser Folge widme ich mich dem Thema „Emotional Detoxing“ oder auf Deutsch: emotionales Entgiften. Wenn Du in der Welt der Psychologie und Spiritualität unterwegs bist, dann hast Du diesen Begriff sicherlich schon einmal gehört. Zurzeit begegnet er uns ja sehr häufig und es klingt fast wie ein Heilsversprechen, wenn vielerorts gesagt wird: Emotionales Entgiften kann Dir helfen, Dich von emotionalen Blockaden und negativen Gedankenmustern zu befreien, und Dir helfen, sie aus Deinem Inneren wie Gift – deshalb auch der Name „Detoxing – wie Gift aus Deinem Inneren zu entfernen.🧪❌
Was Menschen sich davon erhoffen, ist, mehr inneren Frieden in sich zu finden und mithilfe dieser emotionalen Entgiftung ihre wahre Natur mehr leben zu können oder – wie es mancherorts ausgedrückt wird – eine bessere Version oder sogar die beste Version ihrer selbst zu werden. Aber was wäre, wenn diese Bemühungen – im größeren Bogen geschaut – genau das Gegenteil von dem bewirken, was sich Menschen davon erhoffen? 🤔
Warum emotionales Entgiften in der Tiefe nie funktionieren kann, und warum es sogar versteckt gewaltvoll ist, darum geht es in dieser Folge.
Ich wünsche Dir inspirierende und nährende Momente beim Hören.🎧
Über Rückmeldungen in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen.💫
Deine Maria Sanchez 🌷
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Transkript Folge 18 – Emotional Detoxing: das weitverbreitete Missverständnis
Das emotionale Entgiften kann uns nie kennenlernend erspüren lassen, wer wir sind, was wir sind und damit einhergehend auch warum wir sind. Es ist nicht nur ein spiritueller Bypass, sondern auch ein psychologischer. Denn wir kommen auf einer tieferen Ebene aus dem kontrollierenden Verhalten – und nichts anderes ist das emotionale Entgiften-wollen – nicht heraus.
Kontrolle kann Dich, wie ich oft betone, nie in den Keller und damit nie in die tiefste Verbundenheit führen. Sie kann Dir bestenfalls einen kurzzeitigen inneren Waffenstillstand bescheren, aber nie einen bleibenden inneren Frieden. Denn unter der Kontrolle, kontrolliert Dich immer eine versteckte Angstdynamik.
Wir haben vielleicht einen kurzen Kick, weil wir – gemäß unserer Vorstellung „Ich bin auf meinem Weg!“ – uns ermächtigt fühlen, wenn wir meinen, Blockaden zu lösen (und vielleicht geht das auch für einige Zeit gut), aber irgendwann landen wir immer wieder im inneren Kreisverkehr von „Wann hört es denn endlich auf? Wann komme ich denn endlich an?“
Hallo und herzlich willkommen zu meinem Podcast „Psychologie trifft Spiritualität“. Ein Podcast für eine neue Begegnung mit Dir selbst. Mein Name ist Maria Sanchez und ich heiße Dich von Herzen hier willkommen.
In dieser Folge widme ich mich dem Thema „Emotional Detoxing“ oder auf Deutsch: emotionales Entgiften. Wenn Du in der Welt der Psychologie und Spiritualität unterwegs bist, dann hast Du diesen Begriff sicherlich schon einmal gehört. Zurzeit begegnet er uns ja sehr häufig und es klingt fast wie ein Heilsversprechen, wenn vielerorts gesagt wird: Emotionales Entgiften kann Dir helfen, Dich von emotionalen Blockaden und negativen Gedankenmustern zu befreien, und Dir helfen, sie aus Deinem Inneren wie Gift – deshalb auch der Name „Detoxing – wie Gift aus Deinem Inneren zu entfernen.
Was Menschen sich davon erhoffen, ist, mehr inneren Frieden in sich zu finden und mithilfe dieser emotionalen Entgiftung ihre wahre Natur mehr leben zu können oder – wie es mancherorts ausgedrückt wird – eine bessere Version oder sogar die beste Version ihrer selbst zu werden. Aber was wäre, wenn diese Bemühungen – im größeren Bogen geschaut – genau das Gegenteil von dem bewirken, was sich Menschen davon erhoffen?
Warum emotionales Entgiften in der Tiefe nie funktionieren kann, und warum es sogar versteckt gewaltvoll ist, darum geht es in dieser Folge. Es würde mich von Herzen freuen, wenn Du aus dieser Folge Inspirationen für Deinen Weg mitnehmen kannst.
Die Folge beginnt gleich nach einer kurzen Info.
Übrigens: Wusstest Du schon, dass jetzt auch die Hörbuchversion von Maria Sanchez' Buch „Die revolutionäre Kraft des Fühlens“ ab sofort auf allen gängigen Plattformen erhältlich ist? Alle Informationen dazu findest Du in den Shownotes.
Emotionale Entgiftung ist metaphorisch von dem Begriff der körperlichen Entgiftung abgeleitet. Es geht, wie eben schon kurz erwähnt, darum, sich von belastenden Emotionen und Gedankenmustern zu reinigen – was ja im Umkehrschluss bedeutet, dass wir unser Inneres aufteilen: in etwas, was zu unserer wahren Natur gehört, und etwas, was nicht dazugehört. Oder wenn wir direkt vom Namen Detoxing oder Entgiftung ausgehen, teilen wir unser Inneres auf in etwas, das rein ist und etwas, das unrein oder giftig ist und das deshalb besser gehen soll.
Wie irreführend bei einer feineren Betrachtung diese Aufteilung ist, möchte ich Dir gern anhand einer Begegnung mit einer Person verdeutlichen, mit der ich mich vor einiger Zeit unterhalten habe. Nennen wir diese Person hier für die Folge einfach Claudia.
Claudia berichtete mir, dass sie regelmäßig ein emotionales Entgiften vornehmen würde. In dieser Zeit würde sie sich intensiver als sonst mit sich selbst beschäftigen, um den Kontakt zu ihrer – Zitat – „Seele“ mehr herstellen zu können. Und der Weg dorthin – eben zu ihrer Seele – führe für sie über das Beseitigen von inneren Blockaden.
So wunderbar es ist, sich Zeit für sich selbst zu nehmen und vielleicht sogar – jenseits des Alltags – Auszeiten für sich selbst zu nehmen (was ich sehr wichtig finde), so elementar ist die tiefere emotionale Ausrichtung, die wir dabei haben.
Claudia meinte, dass sie in der Zeit des emotionalen Entgiftens bestimmte Praktiken durchführen würde, mit deren Hilfe sie sich erhoffe, störende Gedankenmuster in sich sowie emotionale Altlasten, wie sie es nannte, aufzulösen, weil sie diese Gedanken und Altlasten als Barrieren zwischen ihr und ihrer wahren reinen Seele ansähe.
Ich stellte Claudia daraufhin respektvoll folgende Fragen: Glaubst Du, es gibt etwas, dass Du in Deinem Inneren erlebst, das NICHT zu Deiner Seele gehört? Wenn Du sagst, dass Deine Ängste, Deine Wut oder Deine hartnäckigen mentalen Blockaden nicht zu Deiner Seele gehören, wo genau existieren sie denn dann? Welcher Instanz entspringen sie, wenn nicht zu Dir selbst gehörend und damit zu Deiner Seele? Meinst Du, es gibt einen Ort, der mit Deinem Inneren zu tun hat, der außerhalb von Dir selbst existiert? Also eine Seele auf der einen Seite und eine Nicht-Seele auf der anderen?
Claudia hatte sich über diese Fragen noch nie Gedanken gemacht, sondern war dem psychologischen und spirituellen Strom, den wir überall vernehmen, einfach gefolgt – was ja auch sehr verständlich ist. Sie und ich kamen anschließend in ein wirklich tolles und sehr tiefes Gespräch.
Wenn wir in unserem Inneren etwas die Überschrift geben in die Richtung „gut“ oder „hell“ oder „zu unserer wahren Natur“ oder „zu unserer Seele gehörend“, dann erschaffen wir uns gerade durch diese Einteilung innerlich kontinuierlich einen dunklen Zwilling. Das, was wir beim emotionalen Entgiften loszuwerden versuchen – also das Unerwünschte –, erschafft sich ja gerade durch unsere Einteilung in hell und dunkel ständig neu. Wie ich in der Vergangenheit schon öfter erwähnt habe: Die Farbe Weiß kann es nur geben, weil es Schwarz gibt. Das eine bedingt automatisch das andere.
Die von Claudia und von so vielen Menschen versteckte unbewusste Grundannahme ist, dass ihr aktuell schwieriger innerer Zustand fehlerhaft ist. Dass wir, wenn man so will, im alltäglichen Werkszustand irgendwie defekt oder noch nicht in Ordnung sind.
Jetzt kann man natürlich – überspitzt gesagt – ein schönes psychologisches oder spirituelles Make-up auftragen und sagen: „Nein, nein! Natürlich ist in uns Menschen nichts Fehlerhaftes. Alles doch hat seinen Sinn. Die Emotionen und die Gedanken, die wollen mir ja etwas sagen.“ Aber wenn das – also was die Emotionen und Gedanken uns sagen möchten – wirklich das ist, worum es uns primär geht, wenn ich also dem Negativen in mir tatsächlich positiv und ehrlich aufgeschlossen gegenüber bin, dann würden wir doch gar nicht auf die Idee kommen, es „Entgiften“ zu nennen. Es würde uns gar nicht über die Lippen kommen, etwas in uns als „Gift“ zu bezeichnen. Das wäre eine viel zu große Respektlosigkeit dem gegenüber, dem wir Achtung schenken.
Stell Dir für einen Moment vor, Du hättest ein wütendes oder trauriges Kind vor Dir und Du würdest zu ihm sagen: „Deine Wut, Deine Traurigkeit, Deine Angst usw. sind Gift oder sind nicht gut. Da ist zwar eine Botschaft drin, aber es ist wichtig, dass sie sich am Ende auflösen. Wir müssen dafür sorgen, dass sie sich ändern.“ Was glaubst Du, würde das mit diesem Kind machen? Würde dieses Kind ein liebevolles Verhältnis zu sich selbst entwickeln oder eher in einen Kampf mit sich selbst ziehen? Denn ganz gleich, wie wir die Zukunft sehen (in dem Fall eine Zukunft mit dem erreichten Ziel, dass etwas heilen konnte), in der Gegenwart sehen wir es als unheil und damit als nicht gut an. In der Gegenwart ist es noch reparaturbedürftig.
Man könnte vielleicht einwenden: „Aber es gibt doch ein giftiges Verhalten von Menschen! Wenn ich ein wütendes Kind habe, das andere Kinder schlägt, dann ist doch sein Verhalten toxisch!“
Auch hier würde ich gern einladen, den Blick etwas zu weiten und nicht nur auf dieser Ebene zu schauen. Wenn Du ein Kind hast, das ein bestimmtes Verhalten hat, das anderen Kindern oder auch sich selbst schadet, und Du machst ihm deutlich, dass dieses Verhalten giftig ist, das Kind dieses Verhalten aber immer wieder durchführt oder sogar durchführen muss: Was glauben wir, wie das Kind sich selbst dann sehen wird? Es wird sich selbst als minderwertig, als schlecht, als etwas, das fehlerhaft ist ansehen. Denn sein Verhalten ist doch nichts von ihm Getrenntes. Es kommt doch aus ihm heraus. Es entspringt seinem Inneren.
Aber Vorsicht! Der Umkehrschluss daraus ist nicht, dass das Kind sein Verhalten einfach weiterführen soll. Das wäre ja absurd! Sondern worum es geht, ist, mit dem Kind in Beziehung zu treten, ihm verdeutlichen zu können (was natürlich nur geht, wenn das, was wir zu ihm sagen, auch authentisch gemeint ist): „Ich habe keine Ahnung, warum Du tust, was Du tust, aber ich bin mir ganz sicher, Du hast gute Gründe! Darf ich Dich ein bisschen mehr kennenlernen?“
Die innere Haltung ist in dem Fall nicht: Ich widme mich Dir, damit Du dann am Ende reiner bist oder eine bessere Version Deiner selbst, sondern die innere Haltung ist Liebe. Ein wirkliches In-Beziehung-treten.
Wie ich immer wiederhole, können wir diese Liebe nicht machen! Sie ist kein Konzept. Als Konzept würden wir sie nur instrumentalisieren und dadurch unbewusst im bisherigen Fahrwasser von „DAS ist mein wahres Ich und DAS bin ich nicht wirklich!“ weiter kreisen.
Wenn wir so an uns herantreten, ist es (um beim Beispiel des realen Kindes zu bleiben) so, dass sich kein Vertrauen zu diesem Kind aufbauen kann, da wir ihm immer wieder deutlich machen: Du musst noch repariert werden. Du bist noch fehlerhaft.
Jetzt könnte man erneut einwenden: Aber warte mal! Wo kommen wir denn mit dieser Haltung hin? Bei einem Kind mag das ja vielleicht noch stimmen. Aber manche Erwachsene zeigen doch eindeutig ein toxisches Verhalten. Das kann man doch nicht gutheißen?
Hier entsteht oftmals ein Missverständnis. Wir gehen wie selbstverständlich davon aus, dass Liebe immer nur in einem sanften Kleid daherkommt. Als wäre sie nur etwas Engelsgleiches. Aber Liebe hat viele Kleider. Eins davon ist auch klar und Grenzen setzend.
Das Entscheidende, wenn es Liebe ist, ist, dass wir grundsätzlich von Moment zu Moment offenbleiben können. Oder anders ausgedrückt: Wenn es Liebe ist, fällt es uns leicht, in Beziehung zum Gegenüber zu bleiben.
Falls wir das nicht können, macht das gar nichts! Das ist kein Fehler! Aber dann sollten wir es nicht Liebe nennen, sondern treffender davon sprechen, was in dem Moment tatsächlich der Fall ist: nämlich, dass wir getriggert sind. Das macht nichts! Vielleicht ist es aus einem Getriggertsein heraus in dem Moment für uns absolut wichtig, der Person uns gegenüber nicht offen zu sein. Okay, dann ist das so. Das ist vollkommen in Ordnung. Es gibt auch hier kein „So ist es richtig!“ und „So ist es falsch!“ Es gibt nur die Situation und das, was in der Situation gerade dran ist.
Im größeren Bogen ist es nur wichtig, diese inneren Dynamiken, also das, was wir fühlen, denken und wie wir handeln, kennenlernen und ihnen begegnen zu können, damit die Entfaltungskraft unseres Lebens eine Chance bekommen kann.
Es ist wichtig, die Liebe nicht mit einem Getriggertsein zu verwechseln. Denn wenn wir getriggert sind, dann brauchen wir Liebe nötiger denn je.
Um noch einmal auf das emotionale Entgiften zurückzukommen: Wenn wir meinen, wir müssten emotional entgiften, dann sind wir immer zielfixiert unterwegs. Manchmal bewusst und sehr viel häufiger unbewusst. Das Ziel steht fest; nämlich eine „bessere“ oder (schöner klingend) eine „wahrere Version unserer selbst“ zu werden. Was Liebe aber vor allem ausmacht, ist, dass sie Weg-orientiert ist und eben nicht zielfixiert.
Diese Weg-Orientiertheit, dieses wirklich offene von Moment zu Moment gehen können, kann unsere Zielfixiertheit ganz natürlicherweise erforschend miteinschließen. Warum? Weil Weg-Orientiertheit kein echter Gegenpol zur Zielfixiertheit ist. Sich Weg-orientiert zu begegnen, atmet auf einer ganz anderen Ebene. Das haben Menschen zu Beginn lange Zeit nicht. Wir starten aus dem inneren Kampf heraus. So sind wir individuell biografisch und gesellschaftlich geprägt.
Wir können gar nicht anders als lange Zeit zu Beginn zielfixiert zu sein. Und diese Zielfixiertheit schnappt sich sogar – zumindest scheinbar – das Weg-orientierte Denken und Fühlen für seine Zwecke. Das meine ich damit, wenn wir sagen: Ich bin meinen Emotionen gegenüber ganz offen. Das sind wir sehr lange Zeit bei genauerer Betrachtung nicht. Und das ist okay! Das ist nicht eine Störung des Prozesses, sondern das IST der Prozess! Von hier aus geht es los.
Es gibt in unserem Inneren keine wahre Natur auf der einen Seite und eine unwahre Natur auf der anderen. Du bist all dies. Und Du bist noch viel mehr!
Ich weiß, dass gerade in spirituellen Kreisen so oft von einem falschen Ich gesprochen wird. Meiner Erfahrung nach ist das nicht nur uns selbst gegenüber gewaltvoll, sondern auch viel zu kurz gedacht. Es ist in sich irreführend, von einem falschen und einem wahren Ich zu sprechen, da es die leidvolle Dualität immer wieder neu kreiert und bestärkt. Wie ich vorhin meinte: Das Wahre kann es nur geben, weil es das Falsche gibt. Das eine bedingt das andere. Diese Einordnung kann nur aus einem zielfixiertem Denk- und Fühlsystem entstehen, das ich das biografische Schutzprogramm nenne. Hier wird oftmals – wie bei Claudia – etwas seit langer Zeit spirituell einfach übernommen, ohne es in der Tiefe emotional zu erkunden. Würden wir es wirklich Weg-orientiert erkunden, dann gibt es kein wahres und falsches Ich, sondern nur innere Prozesse eines größeren Ganzen. Erst wenn wir das langsam in uns fühlend entdecken, hebt sich die verstrickte Zweiheit in uns auf beziehungsweise eröffnet sich uns innerlich eine Einheit, in der selbst unsere Zweiheit liebevoll Platz findet.
Wenn Menschen sich nicht kennenlernen wollen, dann stecken sie oft in einem inneren unbewussten Automatismus fest. Von einem bestimmten Blickwinkel aus könnte man meinen, dies ist ein unechtes Verhalten. Aber wenn wir das größere Bild aufziehen, versuchen hier Prozesse, die bisher kreisen, darunterliegende Prozesse – zum Beispiel biografische Verletzungen – zu schützen. Das Leben versucht, sich hier immer wieder zu entfalten (zum Beispiel auch durch stärker werdende Symptome), und kann es nicht. Jeder Mensch hat die Freiheit und auch die Verantwortung, sich für oder gegen innere Entwicklung zu entscheiden.
Wenn wir uns uns selbst zuwenden, dann sind wir zu Beginn ununterbrochen bewusst oder unbewusst Ankläger:in (also die Seite in uns, die sagt: „Ich möchte dieses oder jenes loswerden!“, „Ich möchte entgiften!“), wir sind Angeklagte (also unsere emotionalen Blockaden oder unsere einschränkenden Gedankenmuster) und wir sind Richter:in (also die Seite in uns, die entscheidet, was gut, wahr und richtig und falsch, giftig oder noch nicht heil genug ist).
Es liegt an uns, ob wir dies als Ausgangspunkt nehmen, um uns tiefer kennenzulernen, oder ob wir – zum Beispiel durch das emotionale Entgiften – eine Position unbewusst einnehmen und dadurch in der Tiefe im Kreisverkehr fahren.
Es stimmt, dass wir beim Prozess des inneren Aufwachens oder auch später beim Prozess des Erwachens mehr und mehr in Kontakt mit einer tieferen Ebene in uns kommen, mit einer heiligen Purheit in uns. Aus diesem Empfinden heraus erliegen wir manchmal dem Fallstrick, dass etwas in uns von wahrer Natur ist und etwas in uns nicht. Wenn jemand so spricht, dann ist dies für mich ein Zeichen, dass die Person vielleicht spirituell die Purheit in sich entdecken konnte, aber emotional noch nicht. Wir haben in dem Fall einen Seinsraum in uns entdeckt, aber nicht die Liebe. Denn Liebe ist immer ein Seinsraum in Beziehung und nicht einfach nur ein Seinsraum.
Wenn wir uns wirklich auf allen Ebenen unseres Menschseins mitnehmen wollen – und nur das ist meiner Erfahrung nach das, was uns in die tiefste Verbundenheit führt, was uns die tiefste Liebe in uns atmen lässt –, dann geht es gerade nicht darum, zu entgiften, sondern uns Weg-orientiert begegnen zu lernen. Dann geht es nicht darum, heilen zu müssen, sondern darum, langsam, Schritt für Schritt uns mitnehmend natürlicherweise, liebend zu verstehen, dass wir alles sind und uns genau davon zutiefst berührt zu fühlen. In dem Moment kommen wir – vermutlich zum ersten Mal – auch emotional in der Gegenwart an.
Der Weg dorthin ist das Entscheidende, nicht das Ziel, dort zu sein. Wäre das Dortsein das Ziel, dann bräuchten wir Menschen nur – wenn es sie denn gäbe – eine Pille dafür einzunehmen. Ich bin sicher, viele Menschen würden so eine Pille aus ihrem Leiden heraus vermutlich sehr gern sofort nehmen wollen, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass auf diese Weise die Liebe sie nie finden kann. Denn Liebe ist ein Weg und kein Zustand.
Das emotionale Entgiften – genauso wie eine Pille – kann uns nie kennenlernend erspüren lassen, wer wir sind, was wir sind und damit einhergehend auch warum wir sind. Es ist nicht nur ein spiritueller Bypass, sondern auch ein psychologischer. Denn wir kommen auf einer tieferen Ebene aus dem kontrollierenden Verhalten – und nichts anderes ist das emotionale Entgiften-wollen – nicht heraus.
Kontrolle kann Dich, wie ich oft betone, nie in den Keller und damit nie in die tiefste Verbundenheit führen. Sie kann Dir bestenfalls einen kurzzeitigen inneren Waffenstillstand bescheren, aber nie einen bleibenden inneren Frieden. Denn unter der Kontrolle, kontrolliert Dich immer eine versteckte Angstdynamik.
Wir haben vielleicht einen kurzen Kick, weil wir – gemäß unserer Vorstellung „Ich bin auf meinem Weg!“ – uns ermächtigt fühlen, wenn wir meinen, Blockaden zu lösen (und vielleicht geht das auch für einige Zeit gut), aber irgendwann landen wir immer wieder im inneren Kreisverkehr von „Wann hört es denn endlich auf? Wann komme ich denn endlich an?“
Vielleicht magst Du für einen Moment die Augen schließen und spüren, was diese Folge in Dir bewegt hat.
Damit die Inspiration nicht nur auf der Gedankenebene bleibt, habe ich zum Abschluss zwei Fragen vorbereitet, die Dir helfen können, das Gehörte in Dir noch etwas weiter zu bewegen.
Der erste Fragenabschnitt lautet: „Fühlt sich mein aktuelles Bemühen um Heilung wie ein liebevolles Kennenlernen an – oder eher wie eine Reparaturmaßnahme? Und wie geht es mir damit?“
Und der zweite Fragenabschnitt lautet: „Wie würde es sich anfühlen, wenn ich heute genau so, wie ich jetzt gerade bin – unaufgeräumt, unfertig und mit all meinen Blockaden – in mir selbst absolut willkommen wäre? In welchen inneren Zustand käme ich dann und wie fühlt sich dieser an?“
Schreibe mir gern in die Kommentare, wie es Dir ergangen ist. Ich freu mich sehr, von Dir zu lesen!
Alles Liebe und bis zum nächsten Mal,
Deine Maria Sanchez
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