#17 – Sehnsucht und Sehnsuchtsschmerz: der wichtige Unterschied (+ angeleitete Übung)

Shownotes

Herzlich willkommen zu meinem Podcast „Psychologie trifft Spiritualität“ – ein Podcast für eine neue Begegnung mit Dir selbst.

In dieser Folge möchte ich mit Dir gemeinsam in ein Thema eintauchen, das uns Menschen auf einer Ebene eint, das uns mitunter sehr stark in seinen Bann ziehen kann – manchmal vor Freude, manchmal vor Schmerz: Es geht um die Sehnsucht.

Und damit Du das, was ich hier beschreiben werde, auch fühlend einordnen kannst, möchte ich Dich gern in dieser Folge auch zu einer angeleiteten Übung einladen.

Ich wünsche Dir inspirierende und nährende Momente beim Hören.🎧

Über Rückmeldungen in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen.💫

Deine Maria Sanchez 🌷

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Sehnsucht und Sehnsuchtsschmerz: Der wichtige Unterschied

Dass sich überhaupt ein Sehnsuchtsschmerz entwickeln kann, dass sich ein Schmerz an die Sehnsucht so tief dranheften kann, liegt daran, dass wir als Kinder in einer Position waren von „Ich brauche …“ und dieses Brauchen nicht oder nicht ausreichend erfüllt wurde.

Wir waren als Kind bedürftig, wir waren abhängig und haben uns nach verschiedenster emotionaler Nahrung gesehnt – nach Liebe, nach Wärme, nach Sicherheit, nach Nahbarkeit, nach einem tiefen emotionalem Landen-können.

Wenn sich unser „Ich-brauche …“ nicht erfüllen konnte, dann haben wir immer wieder die Erfahrung gemacht, wie sich unser Sehnen nach etwas emotional oder auch körperlich Existenziellem mit einer tiefen Enttäuschung verwoben hat.

Da man Leben aber nicht zurückhalten kann – Leben will leben, Lebendigkeit will sich entfalten, Entwicklung will geschehe  –, klopft der emotionale Hunger in Form von Sehnsucht immer wieder an unsere Bewusstseinstür. Fast so – nicht ganz, aber ähnlich – wie gefühlt siamesische Zwillinge ist der Schmerz an die Sehnsucht gebunden.

Hallo und ein ganz herzliches Willkommen zu einer neuen Folge meines Podcasts „Psychologie trifft Spiritualität“. Ein Podcast für eine neue Begegnung mit Dir selbst. Mein Name ist Maria Sanchez und ich freue mich sehr, dass Du hier heute mit mir bist.

In dieser Folge möchte ich mit Dir gemeinsam in ein Thema eintauchen, das uns Menschen auf einer Ebene eint, das uns mitunter sehr stark in seinen Bann ziehen kann – manchmal vor Freude, manchmal vor Schmerz: Es geht um die Sehnsucht.

Und damit Du das, was ich hier beschreiben werde, auch fühlend einordnen kannst, möchte ich Dich gern in dieser Folge auch zu einer angeleiteten Übung einladen.

„Sehnsucht“ hat viele Aspekte. Sie kann uns zum Beispiel helfen, uns in Bewegung zu setzen, um für etwas einzustehen, das für uns wichtig ist; sie kann uns als Kompass dienen – beispielsweise in der Frage: Fehlt etwas Wichtiges in meinem Leben? Bin ich auf einem für mich stimmigen Weg? Oder auch: Wohin geht mein nächster Schritt?

Sehnsucht kann auch für etwas Kompensatorisches stehen – zum Beispiel die Sehnsucht ein bestimmtes Auto unbedingt haben zu müssen oder in einer bestimmten Partnerschaft sein zu müssen, weil jemand unbewusst damit etwas Bestimmtes verbindet und so weiter. Es gibt also mehrere Aspekte in Bezug auf die Sehnsucht, denen man sich auf einem Heilungsweg widmen kann.

In dieser Folge möchte ich mich auf einen bestimmten Aspekt fokussieren, der mir in meiner Arbeit mit Menschen immer wieder stark auffällt.

Es geht um den feinen, aber so wichtigen Unterschied zwischen einerseits der reinen Sehnsucht, die uns in einen wundervollen tiefen nährenden Kontakt mit einer essenziellen Dimension in uns führen kann, und andererseits dem, was ich Sehnsuchtsschmerz nenne. Wenn wir diese Unterscheidung bisher nicht getroffen haben, besteht die Gefahr, dass etwas, was eigentlich Türen öffnen kann, wiederholt zu einer Sackgasse wird.

Wenn wir in unserer Biografie emotional nicht satt geworden sind oder andere Verletzungen emotional und/oder körperlich erlitten haben, dann ist Sehnsucht zu haben bei den meisten Menschen in der Regel nicht etwas Süßes, sondern etwas Bitteres. Manchmal sogar etwas sehr Bitteres.

Und um zu verstehen, was ich mit reiner Sehnsucht einerseits und Sehnsuchtsschmerz andererseits meine, möchte ich den Blick gern zunächst auf die reine Sehnsucht richten. Dafür würde ich gern einen Satz in den Raum bringen, der in mir vor vielen Jahren aufgekommen ist und der mich damals sehr beschäftigt hat, weil er mich auf die eben genannte Unterscheidung aufmerksam machte. Diese war mir bis dahin gar nicht aufgefallen. Der Satz lautet „Du kannst Dich nur nach etwas sehnen, das Du in irgendeiner Form bereits kennst!“

Ein Beispiel dazu: Für dieses Beispiel verwende ich das Phantasiewort „Lamaha“. Dieses Wort hat keine bestimmte Bedeutung, dadurch eignet es sich gut für unser Beispiel.

Wenn Du nicht wüsstest, dass „Lamaha“ ein Phantasiewort ist, und ich würde Dir sagen: „Lamaha ist ein großartiger innerer Zustand! Es ist so eine Erfüllung, Lamaha zu erleben!“, dann würde wahrscheinlich nichts in Dir anspringen, weil Du mit „Lamaha“ einfach nichts verbinden kannst. Was ich darüber berichte, kann nicht oder nicht ausreichend in Dir andocken, es gibt in Dir keine Resonanz dafür.

Wenn ich aber sagen würde: „Lamaha ist ein toller Zustand von großer innerer Weite, ein Zustand von tiefem innerem Frieden, bei gleichzeitiger immenser innerer Kraft, die durch einen strömt!“, dann hättest Du einen Bezug zu diesem Zustand; da Du mit Weite, Frieden und Kraft etwas verbinden kannst. Du hast bereits einen Ankerplatz in Dir für diese Qualitäten. Würde ich also von „Lamaha“ in dieser Form berichten, könnte in Dir eine Sehnsucht nach diesem Zustand „Lamaha“ entstehen.

Jetzt könnte ein Einwand aufkommen, der in die Richtung geht: Moment, mal! Ich habe oft eine große Sehnsucht nach einer Tiefe in Bezug auf Liebe und ich bin mir sehr sicher, dass ich diese Tiefe in meiner Biografie nicht erfahren habe. Wie kann ich mich denn dann danach sehnen?

Und damit kommen wir nun in einen Bereich, der uns Menschen stark ausmacht. Wie ich immer wieder betone: Wir sind mehr als das Ergebnis unserer Biografie. Unsere Biografie beeinflusst uns selbstverständlich sehr stark, denn wir sind auch das Ergebnis unserer Biografie. Aber unser Wesen, unser Sein reicht darüber hinaus.

Das können wir auch real erleben, wenn wir uns plötzlich in erweiterten Bewusstseinsräumen befinden, die uns über unser Alltags-Ich hinausführen. Zum Beispiel in Momenten, in denen wir mit der Kraft und Schönheit eines besonderen Ortes – beispielsweise in der Natur – in Verbindung sind und aus diesen heraus plötzlich, wie aus dem Nichts, eine nicht in Worte zu beschreibende große über unsere Persönlichkeit hinausragende Verbundenheit spüren. Diese geht nicht nur vom ORT direkt aus, sondern der Ort ist vielmehr wie eine Brücke zu einer anderen Dimension in uns, die plötzlich wachgerufen wird. Würden wir uns danach – also fern von diesem Ort – noch einmal an diesen Ort erinnern, könnten wir dieses magische Empfinden wiedergeben, obwohl wir real nicht an diesem Ort sind. Die Magie des Ortes verbindet sich mit einer Dimension in uns, die unabhängig vom Ort in uns existiert.

Oder ein anderes Beispiel: Wir können dies auch erleben, wenn wir erhabene Musik hören oder eine andere Art von besonderer Kunst uns mitnimmt in etwas, was uns in einen erweiterten Bewusstseinsraum führt. Wir Menschen sind vielschichtige Wesen. In uns atmen in der Tiefe Gefühlsqualitäten, wie ich sie nenne, zu denen wir in unserem eingeschlankten Bewusstsein, das die meisten Menschen in ihrem Alltag erfahren, nicht ohne Weiteres den Zugang haben.

Und hier kann uns die reine Sehnsucht helfen, Kontakt zu diesen seelenvollen Gefühlsqualitäten aufzunehmen. Denn das Außen kann zwar etwas aktivieren, wie zum Beispiel der eben genannte Ort in der Natur – und das kann wundervoll sein –, aber es ist nicht eine Voraussetzung dafür, dass wir Kontakt zu diesen tiefen Gefühlsqualitäten aufbauen.

Wenn wir uns nach etwas sehnen, dann verbinden die meisten Menschen ihr Sehnen mit etwas, das nach vorne gerichtet ist – zum Beispiel ein Zustand, den wir in der Zukunft anstreben, oder eine Person, ein Ort usw. Wir glauben, es gibt etwas, das wir finden müssen oder das zu uns kommen möge, damit wir dann eine Erfüllung finden können. Und auf einer Ebene stimmt das auch – wie ich zu Beginn meinte, kann uns ein bestimmter Aspekt von Sehnsucht in Bewegung setzen. Es geht aber auch andersherum.

Wir können, wenn es sich um die reine Sehnsucht und eben nicht um den Sehnsuchtsschmerz handelt – auf den ich gleich noch zu sprechen komme –, wir können der Sehnsucht nicht nur nach vorne oder nach außen folgen, sondern auch nach innen. Und zwar mithilfe einer bestimmten Frage. Wenn Du das mal ausprobieren möchtest, lautet diese Frage: „Wo und wie in meinem Inneren spüre ich die Quelle meiner reinen Sehnsucht? Oder anders gefragt: Von wo genau kommt in der Tiefe der Treibstoff für meine Sehnsucht?

Wichtig ist es , auf den tiefsten Punkt, auf die Quelle, ausgerichtet zu sein. Wenn wir das tun, wenn wir dem folgen und uns etwas Zeit geben, dann können wir spüren, dass an der tiefsten Stelle das, wonach wir uns sehnen, bereits in uns atmet. Wir kennen es bereits. Es ist schon da.

Ich meine also das Wort “kennen“ in dem Satz: „Wir können uns nur nach etwas sehnen, das wir in irgendeiner Form bereits kennen.“, im Sinne von „Es ist bereits in Dir!“. Ganz real.

Wenn ich mit Menschen arbeite, kann es für sie sehr, sehr berührend sein, fühlend zu entdecken, dass es gerade ihre Sehnsucht ist, die ihnen ein Tor zu einer Quelle ermöglicht, die sie genau mit dem versorgt, wonach sie sich – manchmal schon sehr viele Jahre – sehnen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass es nicht wundervoll sein kann – bei einer Strömung der Sehnsucht – die Erfüllung auch durch etwas zu leben, das von außen auf uns zukommt. Wenn es sich zum Beispiel um Liebe handelt, dann hat es natürlich noch eine andere Qualität, wenn wir Liebe nicht nur in uns selbst, sondern auch mit jemand anderes leben. Der wichtige Punkt hierbei ist der Unterschied zwischen. „Ich wünsche mir …“ und „Ich brauche …“.

Und damit kommen wir zum zweiten Begriff, den ich schon kurz erwähnt habe, nämlich zum „Sehnsuchtsschmerz“.

Für viele Menschen ist Sehnsucht zu haben mit einem Schmerz verbunden, weil sich an die ursprünglich reine, pure Sehnsucht eine biografische Verwundung gekoppelt hat. Diese mit Schmerzen verbundene Kopplung ist bei vielen Menschen eher unbewusst. Und wie bei so vielem, das noch unbewusst ist, kann es, wenn wir uns dessen gewahr werden, eine unterstützende Kraft entwickeln.

Wenn dem so ist – wenn Sehnsucht zu haben mit einem Schmerz verbunden ist – dann ist jedes Sehnen gefärbt von einer Hoffnungslosigkeit, von einer Vergeblichkeit; und sehr oft durch das Wirken eines inneren Kritikers auch mit einem Satz verbunden, der immer wieder deutlich macht: „Für Dich gibt es das nicht! Deine Sehnsucht wird sich niemals erfüllen!“. Das kann sehr wehtun.

Manche Menschen wollen das nicht hinnehmen. Sie versuchen, sich gegen diese innere Dynamik zur Wehr zu setzen, und verlieren bei diesem Akt, den Gegenbeweis zu liefern, sehr viel an Kraft. Während bei anderen der Sehnsuchtsschmerz so groß ist, dass sie gar nicht erst in die Situation kommen, überhaupt die Kraft aufzubringen, für einen Gegenbeweis antreten zu können.

Hier kann es dienlich sein, mit einem feineren Wahrnehmungsglas die Sehnsucht vom Sehnsuchtsschmerz zu separieren.

Denn ist Dein „Sich-Sehnen“ an einen Schmerz gekoppelt, dann kann dies nicht nur innerlich enorm wehtun, sondern es lässt auch Dein zutiefst menschliches Sehnen nach Entfaltung immer wieder in etwas Quälendes mutieren.

Dass sich überhaupt ein Sehnsuchtsschmerz entwickeln kann, dass sich ein Schmerz an die Sehnsucht so tief dranheften kann, liegt daran, dass wir als Kinder in einer Position waren von „Ich brauche …“ und dieses Brauchen nicht oder nicht ausreichend erfüllt wurde.

Wir waren als Kind bedürftig, wir waren abhängig und haben uns nach verschiedenster emotionaler Nahrung gesehnt – nach Liebe, nach Wärme, nach Sicherheit, nach Nahbarkeit, nach einem tiefen emotionalem Landen-können.

Wenn sich unser „Ich-brauche …“ nicht erfüllen konnte, dann haben wir immer wieder die Erfahrung gemacht, wie sich unser Sehnen nach etwas emotional oder auch körperlich Existenziellem mit einer tiefen Enttäuschung verwoben hat.

Da man Leben aber nicht zurückhalten kann – Leben will leben, Lebendigkeit will sich entfalten, Entwicklung will geschehe  –, klopft der emotionale Hunger in Form von Sehnsucht immer wieder an unsere Bewusstseinstür. Fast so – nicht ganz, aber ähnlich – wie gefühlt siamesische Zwillinge ist der Schmerz an die Sehnsucht gebunden.

Die gute Nachricht ist: An der tiefsten Stelle sind die Sehnsucht und der Sehnsuchtsschmerz NICHT gekoppelt. Die Sehnsucht war zuerst da und erst dann kam der Enttäuschungsschmerz.

Da wir aber – aus unserer kindlichen Sicht heraus – nicht die Möglichkeit hatten, erkennen zu können: „Okay, ich bin jetzt hier in dieser Familie für die nächsten Jahre, in dieser emotionalen Hölle oder in dieser emotionalen Wüste, aber dann gehe ich endlich meiner Wege!“, sondern weil unsere Fähigkeiten als Kind das gar nicht ermöglichen konnten – und darüber hinaus unsere engen Bezugspersonen das Leben an sich für uns repräsentiert haben –, war die Aussicht auf eine Änderung gar nicht in Sicht. Wie auch! Für uns, aus unserem kindlichen Bewusstsein heraus – hieß es: Emotionale Einzelhaft auf ewig!

Wenn wir uns in der Gegenwart nun nach etwas sehnen, wird sich, wie automatisiert, das unerfüllte „Ich brauche …“ sofort daran gekoppelt melden und damit auch die Vergeblichkeit, es nicht zu bekommen.

Für Betroffene birgt „sich nach etwas zu sehnen“ damit die Gefahr, zu einem Selbsttrigger zu werden, der die biografische Verwundung – bewusst oder unbewusst – in uns wachruft.

Damit Sehnsucht wieder zu einer echten unterstützenden Quelle für Dich werden kann und kein Selbsttrigger bleibt, kann es erst einmal hilfreich sein, die Sehnsucht und den Sehnsuchtsschmerz mithilfe einer feineren Wahrnehmung voneinander zu separieren. So kann im Laufe der Zeit die Sehnsucht wieder als reine Sehnsucht gefühlt werden und mündet nicht wie automatisiert in ein unerfülltes „Ich brauche so sehr und bekomme es nicht!“.

Mit unserem „Ich brauche …“ ist nichts verkehrt! Es geht nicht darum: Wie bekomme ich mein „Ich brauche …“ weg, damit ich endlich an die reine Sehnsucht kommen kann?. Dem einfach nur zu folgen, wäre gewaltvoll und hat bzw. hätte mit Heilung nichts zu tun. Ich möchte immer wieder von Herzen wiederholen: Du musst nicht repariert oder korrigiert werden! Du bist kein Fehler oder eine Mangelware oder etwas Beschädigtes!

Was Dir auch geschehen ist: Die inneren Dynamiken, die Du entwickelt hast, um zu überleben, erscheinen vielleicht heute in der Gegenwart auf einer oberen Ebene nicht sehr sinnvoll, aber sie sind es! Sie haben Dir nicht nur früher geholfen, zu überleben, sodass Du im Kern heil bleiben konntest, sondern sie sind auch das Tor für Deine tiefe innere Heimkehr! Da ist kein Fehler! DU bist kein Fehler!

Aber zurück zum ursprünglichen Thema: Wenn wir in einem „Ich brauche …“ feststecken, dann gibt es noch ein weiteres Element, was sich zu betrachten lohnt. Denn hat unser Sehnsuchtsschmerz und damit das unerfüllte „Ich brauche …“ das Steuer zu stark in der Hand, erhält unser Gegenüber – wer oder was das Gegenüber auch immer sein mag – viel zu viel an Macht. Nämlich so viel an Macht, wie unsere Bezugspersonen auf uns als Kinder hatten.

Diese Abhängigkeit und den damit verbundenen emotionalen Verrat können wir – auf einer Ebene – nicht noch einmal aushalten. So ist der Schmerz mit all seiner ihm innewohnenden Vergeblichkeit und Hoffnungslosigkeit einerseits eine direkte Zeitzeug:in unserer emotional real erlebten Vergangenheit. Andererseits übernimmt die Vergeblichkeit auch die Aufgabe, uns in einen bekannten Schmerz zu führen, der für sehr viele Menschen – obwohl er sooo schmerzhaft ist – aushaltbarer (weil kontrollierbarer) ist, als das Wagnis eines unkontrollierbaren unbekannten Schmerzes. Wir sind in dem Fall zu oft von der Liebe verraten worden und werden einen weiteren Verrat in dieser Tiefe nicht zulassen. Hier trifft die Vergangenheit ganz unmittelbar auf die Gegenwart und auf die Zukunft.

Und ich möchte noch einmal betonen: „Unsere Verletzung ist nicht der tiefste Punkt!“. Wir sind mehr als unsere Biografie. Sonst würden wir nicht immer wieder auch Sehnsucht empfinden können. Wichtig ist, wie bereits erwähnt, das Auseinanderdividieren von Sehnsucht und Sehnsuchtsschmerz.

Und damit Du einen Eindruck bekommen kannst, wie beides bisher – unterstrichen bisher – noch zusammenhängt (damit Du es nicht weiterhin aus der „Spielball-Perspektive, sondern aus einer übergeordneten Perspektive bewusster wahrnehmen kannst), möchte ich Dich gern zu einer angeleiteten Wahrnehmungsübung einladen:

Nimm Dir für diese Übung etwas Zeit, in der Du ungestört sein kannst.

Außerdem benötigst Du für diese Übung zwei Symbole. Die Symbole können alles Mögliche sein – zum Beispiel zwei Kugelschreiber oder zwei Kissen usw. Du kannst jedes greifbare Symbol dafür nehmen. Wenn Du magst, drücke kurz auf Pause und hol Dir diese Symbole jetzt.

Lege bitte die Symbole so vor Dir hin, dass Du auf Deiner linken Seite ein Symbol liegen hast und auf der rechten Seite das Andere. Wichtig ist, dass der Abstand von Dir zu den Symbolen nicht zu groß ist, sodass Du beide Symbole leicht berühren kannst.

Sollte Dir irgendetwas während der Übung zu viel werden, beende sie bitte sofort . Es ist wichtig, dass die Annäherung an Dich selbst immer die Überschrift „liebevoll“ trägt. Es geht nicht darum, etwas zu schaffen, sondern vielmehr um eine Annäherung an Dich selbst.

Schließe die Augen oder, falls es Dir angenehmer ist, halte Deine Augen geöffnet mit Deinem Blick ruhend auf einem Punkt vor Dir. Das Entscheidende ist, dass Deine Augen nicht von äußeren Aktivitäten beeinflusst werden können.

Nimm ein paar tiefere Atemzüge, sodass Du spüren kannst, wie Dein Körper sich mit Luft füllt und wieder zusammen geht. Als Richtlinie kannst Du durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen. Aber wenn Du spürst, dass Du etwas verändern musst, weil dies für Dich passender ist, dann tue dies natürlich sehr gern. Wichtig ist, dass es sich für Dich stimmig anfühlt.

Atme nun ganz normal weiter und nimm wahr, wie Dein Körper in seinen natürlichen, also von Dir nicht beeinflussten Rhythmus findet. Vielleicht bemerkst Du, dass Deine Atmung gerade etwas verengter ist, vielleicht atmest Du flach oder weich und fließend. Beides ist gleich gut.

Richte nun Deine Aufmerksamkeit für einen Moment genau auf die Kontaktpunkte, wo Dein Körper die Unterlage berührt. Wo hat Dein Körper Kontakt zu Unterlage? Kannst Du wahrnehmen, dass der Boden, Dich trägt?

Berühre nun bitte das linke Symbol und vergegenwärtige Dir, dass dieses Symbol für die reine Sehnsucht steht, für ein Sehnen, das nicht mit einem Schmerz verbunden ist.

Und berühre jetzt bitte das rechte Symbol und verdeutliche Dir, dass dieses Symbol für das unerfüllte Sehnen steht; für das aus der Kindheit stammende schmerzhafte unerfüllte „Ich brauche …“ mit all seinen Dynamiken.

Berühre jetzt bitte beide Symbole gleichzeitig, so dass Dir noch einmal ganz klar bewusst wird: Links ist die reine Sehnsucht und rechts ist der Sehnsuchtsschmerz.

Nimm nun bitte beide Hände wieder von den Symbolen weg und spüre, wie Du bewegt wirst durch Dein Atmen.

Nun verbinde Dich bitte mit einer Sehnsucht, die Du hast, und nimm wahr, ob und (falls ja) wann sich die Sehnsucht mit einem Sehnsuchtsschmerz mischt. Der Sehnsuchtsschmerz kann durch Gedanken kommen oder durch Empfindungen oder durch eine bestimmte Atmosphäre, die Du plötzlich wahrnimmst. Solltest Du also spüren, dass Dich die Vorstellung, das, wonach Du Dich sehnst nicht beflügelt sondern sich mit etwas Unangenehmen mischt, geleite den Sehnsuchtsschmerz mithilfe einer Handbewegung auf das rechte Symbol für den Sehnsuchtsschmerz und die reine Sehnsucht auf das linke Symbol für die reine Sehnsucht.

Du bist also als die Instanz in der Mitte, die Instanz, die beide Strömungen – die Sehnsucht einerseits und den Sehnsuchtsschmerz andererseit  – immer wieder sanft voneinander separiert. Beides – die Sehnsucht und der Sehnsuchtsschmerz – bekommen durch Dich, durch das Entmischen mithilfe Deiner Handbewegung und das Zuweisen auf die jeweiligen Symbole ihren Platz.

Führe dies einige Zeit durch und nimm einfach wahr, was dann geschieht.

Es kann sein, dass allein dieses Separieren für Dich schon wohltuend ist, um überhaupt erst einmal fühlend ein Gewahrsein dafür zu bekommen, dass etwas, was bisher fest aneinandergekoppelt war, auch separat wahrgenommen werden kann.

Es kann aber auch genauso sein, dass Du spürst, dass Du Dich im Laufe dieser Wahrnehmungsübung einer der beiden Seiten etwas mehr zuwenden möchtest. Wenn es beispielsweise einen Impuls in Dir gibt, Dich nach einer Weile des Entmischens dem Sehnsuchtsschmerz mehr zuwenden zu wollen, um zum Beispiel in einen Dialog mit ihm zu treten, folge diesem Impuls gern.

Oder wenn Du spürst, dass durch das Separieren die Sehnsucht jenseits des Schmerzes für Dich greifbarer wird, fühlbarer wird, und Du ihr – wie vorhin in dieser Folge beschrieben – mithilfe der Frage nach der inneren Quelle folgen möchtest, tue auch das sehr gerne.

Vielleicht ist es aber auch ein ganz anderer Impuls, der in Dir aufkommt. Was immer Dein Impuls dann sein mag, probiere Dich einfach aus.

Da Du jetzt vielleicht gerade noch mitten in dieser Wahrnehmungsübung bist, beende ich diese Podcastfolge mit einem kurzen, aber sehr von Herzen kommenden Danke an Dich für Dein Sein hier mit mir und mit der Einladung (wenn Du magst), in die Kommentare zu schreiben, was Du heute für Dich mitgenommen hast. Ich freue mich sehr, von Dir zu lesen

Ganz liebe Grüße und bis zum nächsten Mal,

Deine Maria Sanchez

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