#16 – Co-Regulation: Warum Gemeinschaft auch zur Sackgasse werden kann
Shownotes
Herzlich willkommen zu meinem Podcast „Psychologie trifft Spiritualität“ – ein Podcast für eine neue Begegnung mit Dir selbst.
Wir leben in einer Zeit, in der in vielen psychologischen und vor allem auch traumtherapeutischen Ausrichtungen stark betont wird, dass wir Menschen durch unser biologisches, evolutionäres Erbe primär soziale Wesen sind. Dass wir aufeinander angewiesen sind, dass wir einander brauchen. Und obwohl dies auf einer Ebene absolut wahr ist und auch wertvoll ist, ist es dies auf einer anderen Ebene nicht. Denn es ist nur die halbe Wahrheit.
Wenn wir uns zu stark durch ein biologisches Wahrnehmungsglas betrachten, riskieren wir, unser Menschsein zu verkleinern. Wir laufen dann Gefahr, etwas Wesentliches in uns unberührt zu lassen, weil wir eine wichtige Dimension dabei übersehen. Warum die Fokussierung auf das „Wir“ manchmal sogar zur versteckten Sackgasse für unseren Heilungsweg führen kann, und worauf wir unser Augenmerk dabei gezielt richten können, darum geht es in dieser Folge.
Ich wünsche Dir inspirierende und nährende Momente beim Hören.🎧
Über Rückmeldungen in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen.💫
Deine Maria Sanchez 🌷
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Folge 16 – Co-Regulation: Warum Gemeinschaft auch zur Sackgasse werden kann
Hallo, ich begrüße Dich sehr herzlich und heiße Dich willkommen. Willkommen zu meinem Podcast „Psychologie trifft Spiritualität“ – ein Podcast für eine neue Begegnung mit Dir selbst. Mein Name ist Maria Sanchez und ich freue mich sehr, dass Du hier wieder mit mir bist.
Wir leben in einer Zeit, in der in vielen psychologischen und vor allem auch traumtherapeutischen Ausrichtungen stark betont wird, dass wir Menschen durch unser biologisches, evolutionäres Erbe primär soziale Wesen sind. Dass wir aufeinander angewiesen sind, dass wir einander brauchen. Und obwohl dies auf einer Ebene absolut wahr ist und auch wertvoll ist, ist es dies auf einer anderen Ebene nicht. Denn es ist nur die halbe Wahrheit.
Wenn wir uns zu stark durch ein biologisches Wahrnehmungsglas betrachten, riskieren wir, unser Menschsein zu verkleinern. Wir laufen dann Gefahr, etwas Wesentliches in uns unberührt zu lassen, weil wir eine wichtige Dimension dabei übersehen. Warum die Fokussierung auf das „Wir“ manchmal sogar zur versteckten Sackgasse für unseren Heilungsweg führen kann, und worauf wir unser Augenmerk dabei gezielt richten können, darum geht es in dieser Folge.
Ich wünsche Dir eine stimmige und Dich gut unterstützende Zeit beim Hören.
Um zu verdeutlichen, weshalb die Aussage „Wir Menschen sind soziale Wesen.“ nur die „halbe Wahrheit“ ist, möchte ich gern ein Beispiel mit Dir teilen. Dieses Beispiel entspringt einer realen Begebenheit, die stellvertretend für eine Dynamik steht, die bei vielen Menschen aktiv ist.
Stell Dir eine Frau vor – nennen wir sie Nina –, die unter starken Zukunftsängsten leidet. Wenn sie die Nachrichten verfolgt oder die aktuellen globalen Entwicklungen betrachtet, dann entsteht in ihr eine tiefe Verunsicherung, eine starke Angst. Die Zukunft erscheint ihr nicht als ein Raum von Möglichkeiten, die eintreten können, sondern als eine gefühlt reale Bedrohung.
Nina hat herausgefunden, was sie tun kann, wenn sich diese Angst mal wieder stark in ihr meldet: Sie trifft sich mit Freund:innen und teilt ihre Ängste mit ihnen. Sie hat das Glück, einen guten Freundeskreis zu haben, und erlebt in diesem „Wir-Raum“ etwas sehr Kostbares.
Durch ihre Freund:innen erfährt sie einen Beistand, den sie biografisch nie hatte. Darüber hinaus helfen ihr die unterschiedlichen Blickwinkel ihrer Freund:innen, auch immer wieder selbst einen neuen Blickwinkel einnehmen zu können. Nach diesen Treffen fühlt sich Nina beruhigter, zentrierter und die Welt wirkt für sie weit weniger bedrohlich.
Im ersten Moment könnte man sagen: Das ist ein Erfolg. Es zeigt die wunderbare Kraft der Gemeinschaft. Das ist wahr und sehr wertvoll!
Würde es hier für Nina immer wieder enden, könnte sich daraus jedoch ein Problem ergeben. Denn betrachten wir das Ganze mit einem feineren Wahrnehmungsglas, dann stellt sich eine tiefergehende Frage, nämlich: Warum ist es Nina wiederholt nicht möglich, den Perspektivenwechsel, den ihr ihre Freund:innen geben, selbstständig zu vollziehen? Was geschieht in ihrem Inneren, dass ihr keine Flexibilität mehr möglich ist? Was genau ist das für eine Angst in ihr? Und was für innere Ich-Seiten, was für innere Dynamiken, in ihr sind daran gekoppelt?
Versteh mich bitte nicht falsch: Ich sage keinesfalls, dass Nina etwas alleine schaffen sollte. Es ist absolut wertvoll, nach Unterstützung zu fragen, wenn Nina spürt, dass sie etwas überfordert. Und es ist nährend und verbindend, in diesem gemeinsamen Wir-Raum Nähe und ein Empfinden von „Du bist nicht allein!“ zu erleben. Das ist ein großes Geschenk.
Der Satz: „Wir sind soziale Wesen. Wir sind keine Insel.“ ist in dieser Situation an dieser Stelle sehr richtig und wichtig!
Was aber ebenfalls sehr wichtig ist, ist – nachdem wir uns wieder zentrierter fühlen – aus unserem nun wieder „Gestärktsein“ heraus unsere inneren Dynamiken zu erkunden. Denn es gibt einen entscheidenden Unterschied, ob wir – wenn es uns nicht gut geht – Gemeinschaft als RESSOURCE nutzen und als Möglichkeit, mit anderen Menschen heilsame Erfahrungen zu machen, oder ob wir das gemeinsame Sein mit anderen, ob wir diesen „Wir-Raum“, immer wieder als ERSATZ nutzen für eine fehlende innere Beziehung zu uns selbst.
Hier erliegen viele Menschen einem oft übersehenen Fallstrick. Wenn wir die Gemeinschaft für bestimmte innere Problematiken als „Endstation“, als „Endzimmer“ betrachten und nicht als „Durchgangszimmer“, dann wiederholt sich stetig eine Dynamik, die uns emotional in einer kindlichen Abhängigkeit hält.
Und da ich weiß, wie schnell hier Missverständnisse entstehen können, lass mich bitte noch einmal betonen: Es geht nicht darum, dass wir alles allein meistern. Das wäre nur die Kehrseite von Abhängigkeit – das wäre nur eine verstrickte Reaktion darauf und damit das Gleiche in grün. Sowohl „Ich kann alles alleine!“, als auch „Ich brauche jemanden, der mir hilft, mich zu orientieren oder mich besser zu fühlen.“ haben den gleichen inneren biografischen Verwundungsstamm.
Wer sich nur durch andere zentrieren kann, bleibt im Kern einsam. Und wer meint, alles alleine machen zu wollen oder zu müssen, bleibt im Kern ebenfalls einsam. In beiden Fällen geht es um eine starke Unverbundenheit in der Tiefe mit einer jeweils unterschiedlichen Reaktionsweise: reaktive Verschmelzung und reaktive Autonomie.
Ein anderes Beispiel: Nehmen wir einen Mann – nennen wir ihn Timo –, der ein großes Problem mit Eifersucht hat. Diese hat ihn vor einigen Monaten fast seine Beziehung gekostet. Durch einen Freund hat er von einer bestimmten Kommunikationsform erfahren, die er jetzt einmal in der Woche mit seiner Partnerin durchführt.
Sie verabreden sich jeden Mittwochabend speziell dafür und kreieren einen authentischen Raum, in dem sie sich mithilfe dieser Kommunikationsform tiefer gegenseitig begegnen können. Das tut ihnen und ihrer Beziehung unglaublich gut.
Timo lernt dort etwas, was ihm in seiner Kindheit gefehlt hat, nämlich: sich authentisch mitzuteilen; seine innere Wahrheit auszusprechen. Das schafft eine neue Art der Nähe und des Vertrauens. Und auch hier könnten wir – in Würdigung dessen, wie wertvoll diese Erfahrung mit seiner Partnerin ist – respektvoll eine weiterführende Frage stellen. Nämlich: Verändern die tiefen Erlebnisse der Nähe, die Timo mit seiner Partnerin in diesem Wir-Raum erfährt, gleichzeitig auch die Beziehung, die Timo zu sich selbst hat?
Meine Erfahrung ist: Auf einer Ebene auf jeden Fall! Und auf einer anderen Ebene in der Regel nicht.
Wir neigen heutzutage dazu, Heilung unter der Überschrift „korrigierende Erfahrung“ zu betrachten. Als würde uns durch biografische Verletzungen etwas Bestimmtes in unserem Innerem fehlen, das wir jetzt in der Gegenwart neu hinzufügen könnten. Wir denken vielleicht: Früher durfte ich meine Angst nie zeigen und jetzt – um beim Beispiel von Timo zu bleiben – kann ich es mit meiner Partnerin. Damit, so glauben wir, müsste die innere blutende Wunde doch geschlossen sein.
Wenn wir uns unser Inneres wie ein Gefäß vorstellen, glauben viele Menschen, wir könnten den biografischen Mangel an „Liebeswasser“ durch korrigierende Erfahrungen in der Gegenwart einfach auffüllen. Und auch hier gilt: Auf einer Ebene stimmt das. Wir können Ängste, die wir bisher noch nie nach außen gezeigt haben, lernen, in der Gegenwart befreiend zu zeigen; wir können weinen und das Kontrollkorsett des „Ich darf nicht sein.“ durch neue Erfahrungen mit anderen heilsam öffnen. Das ist außer Frage sehr wertvoll. Hier könnte man also erneut die Aussage treffen: „Wir sind keine Insel. Wir brauchen einander.“
Und erneut wage ich (aus meiner langjährigen Erfahrung in der Begleitung von Menschen), zu sagen: Damit stehen wir nur auf einem Bein. Denn auch hier zeigt sich, wenn wir tiefer blicken, dass dies nur die halbe Wahrheit ist.
Wir sind durch verletzende Kindheitserfahrungen in einer tiefen emotionalen Unverbundenheit mit uns selbst gelandet. Unsere Eltern waren ja die Repräsentanz für alles: Sie repräsentierten das Menschsein und auch das Leben an sich. Sie standen für die Beziehung eines Menschen zu sich selbst, für die Beziehung zu anderen und auch für die Beziehung zum Höheren. Letztlich standen sie für die Beziehung zur Liebe, und zwar in allen Facetten und auf allen Ebenen.
Wenn wir hier Verletzungen erlitten haben, atmet in uns – bewusst oder unbewusst – in der Tiefe eine unversorgte Wunde der Unverbundenheit.
Wir sind dann bildlich gesprochen wie ein Baum, der seine Wurzeln nicht ausreichend mit der Erde verbinden konnte, und daraufhin an einer entscheidenden Stelle haltlos ist.
Manche Menschen spüren diese Unverbundenheit auf die eine oder andere Weise die ganze Zeit – auch im Wir-Raum mit Menschen. Und andere spüren sie erst, wenn ihnen der Wir-Raum mit einem oder mehreren Menschen, aus welchen Gründen auch immer, durch bestimmte Lebensumstände nicht mehr zur Verfügung steht.
Der Grund ist: Die korrigierende Erfahrung in der Gegenwart befähigt uns noch nicht zu einer tieferen Begegnung mit uns selbst. Sie kann diesen sehr emotionalen, intimen Wir-Raum mit uns selbst nicht erreichen. Dieser besondere innere Raum, der jenseits anderer Menschen liegt und jenseits dem, was in der Welt um uns herum gerade los ist.
Es macht einen großen Unterscheid, ob ich mich mir mithilfe eines anderen Menschen, der mir eine Brücke zu mir selbst baut, näherkommen kann – oder ob ich selbst zu meiner eigenen Brückenbauer:in werden kann.
Können wir dies nicht, dann fehlt ein sehr elementarer Baustein. Wir können uns in dem Fall nicht oder nicht ausreichend – um beim Beispiel mit dem Baum zu bleiben – mit der Erde verbinden und von ihr versorgt werden. Ohne diesen Wir-Raum mit uns selbst bleiben wir im Hinblick auf einen tieferen Lebensstrom unverbunden.
Sich regulieren zu können oder co-reguliert zu werden, kann elementar und wertvoll sein, UND es hat noch nichts mit einer selbstständigen Begegnungskompetenz zu tun. Es braucht – neben dem Erleben von mitunter sehr heilsamen Erfahrungen mit anderen – das Weitergehen in einen darüberhinausgehenden inneren Bereich.
Es gibt eine Frage, die uns dabei helfen kann, mehr mitbekommen zu können, wo wir uns in unserem Inneren gerade befinden.
Timo kann heute seiner Partnerin alles sagen. Aber könnte er es beispielsweise auch seinem Vater gegenüber – oder wer auch immer ihn biografisch verwundet hat – frei und ruhig sagen? Könnte er es gegenüber seiner Mutter frei und ruhig sagen?
Wie ist es bei Dir? Wie frei kannst Du Deine emotionale Wahrheit gegenüber Deinen inneren oder äußeren biografischen Verletzer:innen sagen? Ich spreche nicht davon, dass wir es vielleicht einmal getan haben, sondern ob wir tatsächlich frei sind, es jederzeit wieder frei tun zu können. Eben nicht als To Do oder als Reaktion auf ein Getriggertsein, sondern wirklich frei! Wenn wir das können, spielt es keine Rolle mehr, ob wir es tun.
So oft haben unsere Bezugspersonen, weil wir ein Abbild von ihnen verinnerlicht haben – wir sind ja die Kinder unserer Eltern, wie sollte es auch anders sein – so oft haben unsere Bezugspersonen, ganz gleich, ob sie noch leben oder schon verstorben sind – noch immer einen großen emotionalen Einfluss auf uns, noch immer eine innere emotionale Macht über uns.
Solange Timo sich nur im Außen, im sicheren Hafen seiner Beziehung, authentisch ausdrücken kann, bleibt es auf einer Ebene unvollständig. Durch die Verletzungen, die er in seiner Kindheit erlitten hat, haben sich in ihm verschiedene Ich-Seiten entwickelt – zum Beispiel Ich-Seiten voller Scham, voller Wut, voller Angst, voller Traurigkeit oder sogar voller Ekel.
Manche dieser Ich-Seiten können durch Erfahrungen in der Gegenwart Heilung erleben. Für andere ist dem nicht so. Sie behalten eine Rechnung mit ihren Bezugspersonen offen – oder auch grundsätzlich mit dem Leben.
Diese Ich-Seiten in uns brauchen mehr als ein verständnisvolles Gegenüber oder ein authentisches Ausdrücken innerer Wahrheiten im Hier und Jetzt.
Für ihr Ankommen im Leben benötigen sie – neben anderen Menschen – auch eine tiefe Beziehungsebene mit und zu uns selbst. Denn niemand ist und kann so nah an uns dran sein, wie wir selbst.
Niemand anderes außer wir selbst können diesen verletzten Seiten in uns eine Sicherheit geben. Der Grund dafür ist ganz schlicht: Du bist die einzige Person, die niemals gehen kann.
Alle anderen Menschen können uns verlassen – durch Lebensumstände, durch Krankheit oder durch Tod. Es kann auf dieser Ebene mit anderen Menschen nie die tiefste Sicherheit in uns atmen. Diese tief verletzen Seiten in uns können die für sie erforderliche Sicherheit letztlich nur in uns selbst finden. Nur in einem von uns selbstständig geöffneten Wir-Raum mit uns selbst.
Auf dem Weg dorthin brauchen wir auch andere Menschen. Manche Verletzungen benötigen unbedingt ein Gegenüber, um uns ihnen überhaupt annähern zu können. Es ist nur wichtig, dass wir uns darüber bewusst sind, dass dies im größeren Bogen „nur“ ein Durchgangszimmer ist. Ein sehr wertvolles und wichtiges Durchgangszimmer. Aber eben nicht das Endzimmer. Vielmehr ist es eine Einladung in einen ganz anderen, viel tieferen Seinsraum mit uns selbst.
Wir brauchen den anderen dann nicht mehr aus einem versteckten oder offensichtlichen kindlich abhängigen, verwundeten Sein heraus – nach dem Motto: „Ohne Dich bin ich verloren. Bitte gib mir Orientierung!“, sondern wir erleben dann mit anderen gemeinsam Liebe in einer erwachseneren Form. Diese eröffnet uns so viel mehr an Möglichkeiten.
Wenn wir dies noch nicht können, dann macht das gar nichts! Du brauchst nicht anders zu sein, als Du gerade bist! Das Entscheidende ist immer der größere Bogen. Und dieser bedeutet, dass ich selbstständig schwimmen lerne, um die Vielpracht meines Seins zu leben: Ich kann dann selbstständig schwimmen, wo ich es möchte oder wo es notwendig ist, ich kann mich treiben lassen mit anderem, ich kann mich an einer Boje, an anderen, festhalten, ich kann mir mit anderen ein Boot holen usw. – alles aus der Sicherheit heraus, dass ich auch selbstständig schwimmen kann. Ich MUSS es nicht, aber ich KÖNNTE. Das eröffnet auch einen völlig anderen Wir-Raum auch mit anderen, da er den Wir-Raum mit uns selbst miteinschließt.
Erst das Wechselspiel zwischen: „Ich bin als Mensch eine Insel.“ UND „Ich bin gleichzeitig keine Insel.“ (und umgekehrt) macht das Ganze erst vollständig. „Ich bin KEINE Insel.“ – ich lebe mich mit Menschen: ich teile Leid, ich teile Freude, ich teile Nähe, ich mute mich anderen zu. Ich erlebe Verschmelzung im Namen der Liebe und ich erlebe Autonomie im Namen der Liebe – je nachdem, was gerade dran ist – innerhalb eines Wir-Raumes. UND „Ich BIN eine Insel.“ – ich brauche emotional intime Zeit mit mir selbst (nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich), um mich selbst kennenlernen zu können. Schritt für Schritt. Denn nur ich selbst kann diese tragfähigste Beziehung in meinem Leben, nämlich die Beziehung zu mir selbst, pflegen und vertiefend erweitern. Wie eine reale Beziehung im Außen pflege ich meine Beziehung nach innen.
Darüber hinaus ist diese tiefe Beziehung mit mir selbst – also nicht das Zimmer der Selbstregulation, sondern das Universum der Selbstbegegnung – auch das Tor zu einer viele Ebenen unseres Menschseins umfassenden gesunden Spiritualität. Diese schließt alles in mir mit ein: jede Angst, jede Traurigkeit, jede Freude usw. Wirklich alles. Hier ist ein Verbindungspunkt, wo die Psychologie die Spiritualität trifft.
Was dies bedeutet, darüber möchte in einer der nächsten Folge sprechen.
Zum Abschluss möchte ich Dir gern noch eine Frage stellen:
In der Regel pflegen wir die Beziehung zu anderen Menschen. Dafür verabreden wir uns mit ihnen und schenken einander für diesen Kontakt gemeinsame Zeit. Wie oft aber verabreden wir uns eigentlich mit uns selbst, um uns innerlich näherzukommen, um uns kennenzulernen?
Bei den meisten Menschen ist das Verhältnis nicht besonders ausgeglichen. Wie ist es bei Dir? Wie oft verabredest Du Dich für ein Kennenlernen mit Dir selbst im Verhältnis zu den Verabredungen mit anderen?
Ich würde mich sehr freuen, wenn Du mir in den Kommentaren darüber berichten magst und Dich vielleicht ja auch mit anderen Menschen darüber austauschen magst.
Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit und für Dein Vertrauen.
Ich hoffe, dass Dir diese Podcastfolge als Impuls für Deinen eigenen Weg dienen kann, und sage von Herzen: Bis zum nächsten Mal.
Deine Maria Sanchez
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