#15 – Wie können Familienfeste (wie Weihnachten) nicht so anstrengend sein? – Eine Unterstützung –
Shownotes
Herzlich willkommen zu meinem Podcast „Psychologie trifft Spiritualität“ – ein Podcast für eine neue Begegnung mit Dir selbst.
In dieser Podcastfolge möchte ich auf einige emotional schwierige Dynamiken eingehen, die wir bei Familienfesten (wie beispielsweise Weihnachten) in Bezug auf den Kontakt zu unserer Herkunftsfamilie haben können, und Dir gern einige Hinweise geben, wie Du die vielleicht bisher oft als anstrengend oder schwierig erlebte Zusammenkunft mit Deiner Herkunftsfamilie zu einer für Dich neuen Erfahrung machen kannst, um Dich selbst nicht außen vor zu lassen.
Ich wünsche Dir inspirierende Momente beim Hören und eine für Dich stimmige Weihnachtszeit.🎧🎄
Über Rückmeldungen in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen.
Deine Maria Sanchez 🌷
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Es kann zum Beispiel sein, dass mir in meiner Familie eine bestimmte Rolle zugeordnet wurde oder dass sich in meiner Kindheit eine bestimmte Rolle ergeben hat – und das muss auch gar nicht immer mit böser Absicht geschehen sein. Vielleicht wurde ich als Kind als unsicher angesehen, vielleicht sogar als unbeholfen, und jetzt als erwachsener Mensch bin ich zwar in meinem Leben als eine starke und kompetente Person unterwegs, aber sobald ich – wie jetzt an den Festtagen – zurück in meine Herkunftsfamilie komme, rutsche ich irgendwie automatisch in diese Rolle von damals wieder hinein und bin innerlich, weil etwas in mir die ganze Zeit dagegen rebelliert, in großer Spannung.
In meiner Familie sucht mich automatisch diese alte Rolle auf und das kann das Familientreffen unglaublich anstrengend machen, weil ich mir dieser Rollenthematik, die da greift, eventuell gar nicht bewusst bin. Was ich vielleicht mitbekomme, ist, dass ich zum Beispiel gereizt bin, dass ich zu viel esse oder trinke oder dass ich mich am nächsten Tag irgendwie leer oder depressiv fühle usw.
Es kann sich enorm lohnen, sich der familiären Rollendynamik bewusster zu werden.
Hallo und herzlich willkommen zu meinem Podcast „Psychologie trifft Spiritualität“. Ein Podcast für eine neue Begegnung mit Dir selbst. Mein Name ist Maria Sanchez und ich heiße Dich sehr herzlich hier willkommen!
Weihnachten steht vor der Tür und damit eine Zeit, in der viele von uns unserer Herkunftsfamilie begegnen. Für manche Menschen ist dies dadurch eine schöne und besondere Zeit, und für andere ist dies genau dadurch eine emotional sehr herausfordernde oder sogar überfordernde Zeit. Das Triggerpotenzial ist für viele Menschen in diesen Tagen sehr hoch.
In dieser Podcastfolge möchte ich auf einige emotional schwierige Dynamiken eingehen, die wir in den Festtagen in Bezug auf den Kontakt zu unserer Herkunftsfamilie haben können – aber natürlich lässt sich das, worüber ich hier gleich sprechen werde, auf alle Familientreffen (auch jenseits der Weihnachtstage) übertragen –, und ich möchte Dir in dieser Folge gern einige Hinweise geben, wie Du die vielleicht bisher oft als anstrengend oder schwierig erlebte Zusammenkunft mit Deiner Herkunftsfamilie zu einer für Dich neuen Erfahrung machen kannst.
Eine Familie ist nicht nur eine Familie, sondern auch ein in sich geschlossenes System. In diesem System hat jede Person eine ganz bestimmte Rolle.
Eine offensichtliche Rolle, weil sie biologisch vorgegeben ist, ist oberflächlich sehr leicht zu erkennen – nämlich die Vater- und/oder Mutterrolle und die Kindrolle.
Nun ist es ja aber leider nicht selten der Fall, dass ein Elternteil (oder vielleicht sogar beide) zwar biologisch die Mutter und/oder der Vater sind, emotional diese Rolle jedoch – aus ganz unterschiedlichen Gründen – gar nicht wirklich besetzen können.
Es kann beispielsweise sein, dass ich als Kind sehr schnell mitbekomme, dass ich emotional nicht wirklich eine Mutter oder einen Vater an meiner Seite habe, weil meine Mutter oder mein Vater diese Rolle emotional gar nicht einnimmt und mir dadurch verwehrt wird, dass ich auf dieser emotionalen Ebene als Kind die Kindrolle einnehmen kann. Stattdessen kann es sein, dass ich die Mutter- und/oder die Vaterrolle mitbesetzen muss. Mit allen Schwierigkeiten, die das dann mit sich bringen kann: Mit der unendlichen Einsamkeit, die daran gekoppelt ist, mit der Wut, mit der Traurigkeit, mit dem Empfinden, meinen Vater oder meine Mutter verstehen und ihnen helfen zu müssen – während ich sie vielleicht gleichzeitig genau dafür bewusst oder unbewusst stark innerlich verurteile usw.
Durch eine Rollenvermischung entsteht ein großes emotional aufgeladenes Durcheinander, das sich als Folge auch im erwachsenen Leben zeigt und das bei Familientreffen regelmäßig aktiviert wird.
Hinzu kommt, dass es innerhalb einer Familie auch noch ganz andere Rollen geben kann, die mir jetzt zu Weihnachten, wenn ich meine Familie treffe, sehr viel Kraft rauben können.
Es kann z. B. sein, dass mir in meiner Familie eine bestimmte Rolle zugeordnet wurde oder dass sich in meiner Kindheit eine bestimmte Rolle ergeben hat – und das muss auch gar nicht immer mit böser Absicht geschehen sein.
Vielleicht wurde ich als Kind als unsicher angesehen, vielleicht sogar als unbeholfen, und jetzt als erwachsener Mensch bin ich zwar in meinem Leben als eine starke und kompetente Person unterwegs, aber sobald ich – wie jetzt an den Festtagen – zurück in meine Herkunftsfamilie komme, rutsche ich irgendwie automatisch in diese Rolle von damals wieder hinein und bin innerlich, weil etwas in mir die ganze Zeit dagegen rebelliert, in großer Spannung.
In meiner Familie sucht mich automatisch diese alte Rolle auf und das kann das Familientreffen unglaublich anstrengend machen, weil ich mir dieser Rollenthematik, die da greift, eventuell gar nicht bewusst bin. Was ich vielleicht mitbekomme, ist, dass ich z. B. gereizt bin, dass ich zu viel esse oder trinke oder dass ich mich am nächsten Tag irgendwie leer oder depressiv fühle usw.
Es kann sich enorm lohnen, sich der familiären Rollendynamik bewusster zu werden.
Oder ein anderes Beispiel für eine Rollendynamik kann sein, dass ich als Kind die Rolle hatte, der Sonnenschein in der Familie zu sein, dass ich immer wieder mal einen kleinen Witz mache, fröhlich bin und dadurch öfter die Situation auflockere. Daran ist ja grundsätzlich überhaupt nichts verkehrt. Es ist nur problematisch, wenn ich darin keine Wahl habe. Wenn ich mich nicht fragen kann, ob ich die Rolle eigentlich einnehmen möchte oder nicht. Wenn also nicht ich die Rolle einnehme, sondern die Rolle mich einnimmt. Denn dann kann es bewusst oder unbewusst problematisch für mich werden, weil ich mich dann selbst übergehe.
Damit nicht alte Rollendynamiken mich ergreifen, kann es sehr unterstützend sein, sich vor dem Zusammentreffen mit der Familie etwas Zeit zu nehmen und sich zu fragen:
Welche Rolle (oder welche Rollen) habe ich eigentlich in meiner Familie?
Und:
Möchte ich das so? Will ich das so? Nur weil es bisher so war, muss es ja nicht so bleiben.
Was würde geschehen, wenn ich mich, in dem, was ich gerne möchte, mehr ins Zentrum stelle?
Sobald ich mit meiner Familie zusammentreffe, wird mich die Rolle „anspringen“. Das ist klar. Aber das bedeutet ja nicht, dass ich in dieser Rollenposition bleiben muss. Damit ich eine Wahl erhalte, muss mir nur überhaupt erst einmal auffallen, dass ich diese Rolle gerade besetze.
Und weil es für mich so gewohnt sein kann, diese Rolle zu besetzen, kann es eben sehr hilfreich sein, mich vor dem Familientreffen – in diesem Fall also vor dem Weihnachtstreffen – mit dieser Thematik zu beschäftigen.
Und natürlich wäre auch die Frage sehr interessant: Was würde denn geschehen, wenn ich diesmal diese Rolle mal nicht besetze oder nicht weiter besetze? Was wäre, wenn ich dieses Weihnachten mal als kleines Experiment nehme, an manchen Stellen, wo ich in meiner Rolle (beispielsweise als Sonnenschein) merke, jetzt möchte ein Witz aus meinem Mund kommen, wenn ich dann mal keinen mache? Was taucht dann in mir auf und was taucht dann in meiner Familie auf?
Oder wenn ich z. B. in meiner Familie die Rolle der Ausgleichenden habe, die, die sich kümmert, dass es harmonisch bleibt – mein Vater ist vielleicht oftmals grantig und es gibt deshalb häufig Knatsch – und ich? Ich versuche dann das Ganze durch die unbewusste Rolle, die ich blitzschnell einnehme, irgendwie zu schlichten. Was passiert, wenn ich diese Rolle nicht weiter besetze? Was ist, wenn ich mich nicht als Retterin der Situation einbringe?
Wenn ich eine bestimmte Rolle nicht einnehme, dann wird das Familiensystem beginnen, sich anders zu bewegen, sich anders zu sortieren – in welche Richtung auch immer. Eventuell besetzt diese Rolle dann jemand anderes aus der Familie oder aber es geschieht noch etwas ganz anderes. In jedem Fall ist es so wichtig, dass Du auf eine bewusste Weise mehr mithineinkommen kannst.
Wenn Weihnachten bisher oft schwierig oder anstrengend war, möchte ich Dir gerne ans Herz legen, bevor Du in diesem Jahr zu Deiner Familie fährst, eine Rückschau auf das letzte Weihnachten zu machen.
Nimm Dir, wenn Du magst, dafür ein paar Minuten Zeit und lass vor Deinem geistigen Auge das letzte Weihnachten noch einmal Revue passieren. Das heißt, Du siehst, wie in einem Film, Dich und Deine Familie in diesem Film, wie Ihr letztes Jahr Weihnachten zusammen seid. Und versuche dann, ein bisschen zu erkunden: „Welche Rolle (oder welche Rollen) übernehme ich da eigentlich?“
Denn in jeder Konstellation – letztlich also nicht nur in Familien –, sondern wenn Menschen zusammenkommen, wenn sie sich treffen, formieren sich schnell auch Rollen. Aber in der Herkunftsfamilie ist es deshalb oft so tiefgreifend, weil zum einen das Einnehmen dieser Rollen schon früh begonnen hat und zum anderen, weil diese Rollen emotional mitunter stark aufgeladen sein können.
Und vielleicht brauchst Du auch (denn es sagt sich ja sehr leicht „Ich probiere es mal, es anders zu machen.“) – das Einnehmen einer Rolle geht ja mitunter blitzschnell –, vielleicht brauchst Du dann auch ganz gezielt Auszeiten, um in Dir überhaupt mitbekommen zu können, was eigentlich in Dir vor sich geht. Also nicht nur ein weihnachtliches Spazierengehen mit der Familie, sondern vielleicht Dir auch ein Spazierengehen nur mit Dir selbst zu gönnen. Damit Du wirklich Zeit alleine mit Dir hast, um Dich fragen zu können: „Wie geht es mir?“
Das kann für die Familie vielleicht sehr ungewohnt sein, dass Du mal eine Runde alleine um den Block gehen möchtest, aber es kann für Dich sehr notwendig sein, um Dich etwas mehr in Dir orientieren zu können.
Manche Menschen holen vor Weihnachten einmal tief Luft und atmen erst nach den Weihnachtstagen wieder aus. Das ist doch schade. Ein Ereignis – wie in diesem Fall das Zusammentreffen mit Deiner Familie – kann doch Dich nicht außenvor lassen. Du gehörst doch mit zum Ganzen dazu. Lass Dich in diesen Tagen innerlich nicht allein!
Wenn Du spürst „Das ist sehr schwierig für mich.“, dann kannst Du auch die gesamte Zeit, in der Du bei Deiner Familie bist, ein unauffälliges Symbol bei Dir haben. Ein Symbol, welches die Seite in Dir repräsentiert, der es schwerfällt, mit der Familie zu sein. Zum Beispiel könnte dies Ring sein, eine Kette oder ein Halstuch usw. Etwas, das nicht auffällt, das Du aber immer wieder mal während des Familientreffens berühren kannst, um innerlich einen kurzen liebevollen Dialog mit dieser Seite zu führen. Dass Du (wenn dieses Symbol – beispielsweise ein Ring – eine biografisch verletzte Kind-Seite in Dir repräsentiert), dass Du dann (zum Beispiel am Tisch beim Essen) den Ring unauffällig berührst, innerlich kurz mit dieser Ich-Seite in Dir sprichst und dadurch deutlich machst: „Ich kann Dich wahrnehmen. Du bist nicht allein.“ Dass Du das für dieses Kind sein kannst, was Du in Deiner Kindheit vielleicht nie hattest: nämlich ein Beistand! Ein emotionaler Beistand! Niemand ist so nah an Dir dran, wie Du selbst! Vielleicht kann ein Symbol bei Dir zu haben und in einen kurzen, liebevollen Kontakt zu treten, für Dich in diesen Tagen unterstützend sein!
Für manche Menschen kann es auch wichtig sein, während eines Familientreffens – also während einer potenziell aufgeladenen Triggersituation – auch mal kurz rauszugehen, um für wenige Minuten eine Freund:in anzurufen. Eine Person, die fühlend bezeugen kann, wie es Dir geht. Vielleicht ist für diese Person der Besuch bei ihrer Herkunftsfamilie ebenfalls nicht so leicht und Ihr könnt Euch gegenseitig unterstützen.
Oder, wenn das nicht möglich ist, sprichst Du vielleicht einer Freund:in eine Sprachnachricht auf, wie es Dir geht. Besonders wenn Du mit Deiner Familie oft in emotional schwierige Situationen gerätst, wenn es schnell Streit oder Stress gibt, kann es so wohltuend sein, jemanden an seiner Seite zu wissen.
Und solltest Du niemanden dafür haben, sprichst Du Dir selbst eine Sprachnachricht auf. Was auch immer der kleinste Schritt für Dich sein mag.
Es kann nicht nur wohltuend, sondern auch richtig wichtig sein, eine erweiterte Kontaktmöglichkeit zu haben: entweder zu jemand anderem oder – wenn das nicht möglich ist –, zu Dir selbst, um nicht in einen Aushalte- oder Durchhaltemodus zu geraten.
Es gibt ja Familien, da freuen sich die Menschen, sich zu sehen, und das ist ein innerlich nährendes tolles Beisammensein. Das ist wahrlich ein großes Geschenk. Aber ich kenne so viele Menschen, bei denen dies gar nicht der Fall ist. Da ist das Zusammenkommen eigentlich fast wie eine Pflichterfüllung, wie eine Pflichtveranstaltung. Man freut sich zwar vielleicht auch, sich zu sehen, aber man ist auch heilfroh, wenn es dann wieder vorbei ist. Und es ist doch wirklich schade, wenn wir vielleicht gar nicht richtig stattgefunden haben.
Das letzte, was ich Dir hier gern noch als eine weitere unterstützende Möglichkeit ans Herz legen möchte, ist, eine Vorschau zu machen.
Also dass Du vor Deinem geistigen Auge, nicht – wie vorhin kurz beschrieben – eine Rückschau auf das letzte Familientreffen (in dem Fall Weihnachten) machst, sondern Dir vorstellt, wie es in diesem Jahr bei Deiner Familie sein könnte. Du siehst also in dieser Vorschau (wie in einem Film vor Deinem geistigen Auge), wie Du dort ankommst, wie Ihr am Tisch sitzt, wie Ihr gemeinsam esst, und Du spürst dabei (in dieser Vorschau, während Du Dich in diesem Film siehst), wie ein Zusammensein dort für Dich stimmig sein könnte.
Du kannst dafür den Film vor- und zurückspulen, um fein mitbekommen zu können: Das ist auf realistische Weise für mich als kleinster Schritt umsetzbar. Das ist für mich gut.
Es kann sein, dass Du in dieser Vorschau mitbekommst, dass es für Dich gut wäre, öfter mal den Raum zu verlassen, um ein bisschen mehr Abstand zu bekommen. Und dass Du dann immer wieder mal kurz auf die Toilette gehst – das ist ja oft der einzige Ort, bei dem wir für ein paar Minuten Ruhe haben – dass Du in den WC-Raum gehst, um Dich ein bisschen sammeln zu können.
Manchmal gibt es ja nicht die Möglichkeit, mal eben spazieren zu gehen. Dann nimmst Du Dir vielleicht eine Mini-Auszeit auf dem WC, setzt Dich auf den Klodeckel und nimmst wahr: „Wie geht es mir eigentlich?“
Mithilfe der Vorschau kannst Du realistische und für Dich stimmige Vorkehrungen treffen.
Ich kenne Menschen, die sich für das herausfordernde Zusammensein mit ihrer Herkunftsfamilie unauffällige Erinnerungshilfen stellen (zum Beispiel einen Vibrationsalarm auf ihrem Handy stellen). So kannst Du – in welchem Zeitintervall es für Dich passend ist – jede halbe Stunde, jede Stunde, alle 90 Minuten, eben wie es für Dich stimmig ist, daran erinnert werden, Dich mal kurz zu fragen: „Wie bin ich eigentlich gerade da? Was nehme ich gerade in mir wahr?“
Es kann auch sein, dass Du in der Vorschau spürst: „Damit es mir gut geht, muss ich am Essenstisch von dieser Person weiter weg sitzen. Ich will nicht nah bei dieser Person sein.“ Du kannst und darfst Dich da ganz wichtig nehmen. Probiere Dich in dieser Vorschau einfach ein bisschen aus. Spule den Film immer wieder mal vor und zurück, bis Du merkst: „So kann ich nicht nur ganz gut durch die Tage kommen, sondern so kann ich mich in diesen Tagen wirklich mitnehmen. So kann ich mir eine neue und liebevolle Erfahrung bescheren. So kann ich diese Tage auch für mich zu einer wertvollen Zeit machen.“
Und natürlich hast Du auch jedes Recht zu sagen: „Ich möchte meine Familie gar nicht sehen. Ich werde sie nicht treffen.“ Natürlich hast Du auch das Recht, das zu tun. Es gibt nicht: Das ist richtig und das ist falsch. Es gibt nur: Was ist für Dich in Deiner jetzigen Situation passend?
Wenn Du zu den Menschen gehörst, für die Weihnachten mit ihrer Herkunftsfamilie schön ist: wunderbar! Das ist wundervoll! Wenn dem aber nicht so sein sollte, dann musst Du nicht immer so weitermachen wie bisher! Du musst nicht mitmachen. Du kannst Weihnachten zu einer neuen Erfahrung machen, zu einer anderen Begegnung mit Dir selbst.
Es kann sein, dass Dein Vater noch genauso ist wie früher, und auch Deine Mutter vielleicht genauso ist wie früher. Es kann sein, dass Sätze, die von ihnen oder von Deinen Geschwistern kommen, dass diese Dich innerlich treffen. Aber auch wenn Du zunächst in ein Aushalten kommen solltest, dass Du dann die Möglichkeit hast (beispielsweise, weil Dein Handy nach 90 Minuten vibriert), einmal kurz rauszugehen und zu bemerken: „Das hat mir wehgetan!“
Und wie immer Du Dich dann entscheidest – ob Du es ansprechen möchtest oder auch nicht: Es geht darum, dass sich die Möglichkeit eröffnet, nicht das tun zu müssen, was Du vielleicht bisher immer getan hast. Du darfst anders sein. Du darfst da sein. Du musst Dich nicht mehr opfern.
Ich weiß, wie leicht sich das sagt und wie schwierig es mitunter sein kann! Vielleicht bereitest Du Dich im Vorfeld gut vor und nichts davon klappt. Das kann auch passieren. Und wenn dies passieren sollte, auch nicht schlimm! Der Kontakt zu Dir ist hergestellt, auch wenn er sich vielleicht noch – unterstrichen noch – nicht sofort zeigen kann. Du hast ihn im Vorfeld schon begonnen, herzustellen!
Du musst bei diesem Zusammentreffen mit Deiner Familie nichts schaffen. Es ist keine Erwartung. Sondern vielmehr eine Einladung. Es geht nicht um eine Aufgabe, die zu erfüllen ist, sondern es geht um Dich.
Ich hoffe sehr, dass Dir die Weihnachtstage an der einen oder anderen Stelle eine neue Erfahrung ermöglichen können.
Ich würde mich von Herzen freuen, wenn Du mir von Deinen Erfahrungen mit den hier beschriebenen Hinweisen – oder auch grundsätzlich von Deinen Erfahrungen – in den Kommentaren wieder berichten magst, und wünsche Dir eine für Dich stimmige Weihnachtszeit und einen gesunden Übergang ins neue Jahr!
Alles Liebe für Dich, Deine Maria Sanchez
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